Medienpädagogik in den USA


bearbeitet von:
Benjamin Bruns, Wiebke Schulz und Jan Stolle.


Gliederung:


1. Themenstellung

Die USA-Gruppe des Projekts "Medienkompetenz und Kommunikationskultur im internationalen Vergleich" hat sich im Laufe des Sommersemesters 1997 gegründet. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen hier im Internet veröffentlicht werden. Wir orientieren uns dabei an der Struktur des von den anderen Gruppen ausgearbeiteten Fragebogens und versuchen, dessen Fragen im Hinblick auf drei ausgesuchte Gebiete zu beantworten, die wir bevorzugt bearbeiten:

Diese Berichte sind in sich thematisch strukturiert. Viele Fragestellungen des Fragebogens werden dort implizit oder explizit beantwortet. In Anlehnung an den Fragebogen lassen sich hier aber einige Grunderkenntnisse formulieren.

2. Erkenntnisse zum Fragebogen

Genauere Betrachtungen zu den einzelnen Fragestellungen finden sich in den folgenden thematischen Aufsätzen.

3. Medienpädagogik in den USA - ein Überblick

(verantwortlich: Benjamin Bruns)

3.1 Einführung in die Medienpädagogik in den USA

Die USA sind der größte Medienproduzent auf der Welt. Und doch entwickelt sich die Medienpädagogik nicht im gleichen Maße wie die ständige Ausdehnung neuer technischer Medien, die zu einer Verschmelzung von bewegten Bildern, Tönen, digitalen Informationsnetzen, Fernsehen und Computer tendiert. Gerade in den USA spielen hauptsächlich Medien wie das Fernsehen und das Internet eine zunehmend wichtiger werdende Rolle. In den USA hat es sich gezeigt, daß sich neue Medien schnell in das Leben integrieren lassen und dort auch rasante Verbreitung finden.

Die Notwendigkeit einer Medienpädagogik spielte in den USA anfangs noch keine so gewichtige Rolle wie z.B. im Nachbarland Kanada. Erst seit Ende der 70er Jahre, also zur Zeit der weltweiten Vernetzung von Fernsehanstalten (vgl. Hickethier), fand in den USA die erste medienpädagogische Konferenz statt. Seit Beginn der 90er Jahre hat sich ein nationales Netzwerk von medienpädagogischen Institutionen gebildet, die dem ständig komplexer werdenden Aufkommen von Medien systematisch gewachsen sein will (vgl. Pungente). Die Begriffe "media literacy" und "media education" werden dabei für den Begriff "Medienpädagogik" verwendet. Konkretere Bezeichnungen wie computer literacy, computer education, print education etc. finden sich auch innerhalb separater Medienbetrachtungen.

Auch internationale Kooperationen sind daran interessiert, verschiedene Erkenntnisse der Medienpädagogik in einem internationalen Dialog zu besprechen und gemeinsame Projekte und/oder Partnerschaften aufzubauen. Im Zeitalter weltweiter digitaler Vernetzung und der Erweiterung weltweiter Daten- und Informations-Highways, zu denen der persönliche Zugang immer leichter wird, wird die Fähigkeit der Datenverarbeitung und dem Arbeiten mit neuen Technologien immer größere Bedeutung zugemessen. Die Arbeit in der Zukunft wird als komplexer betrachtet, bei der zunehmend Computeranwendungen notwendig sein werden. Diese Art des Wirtschaftens ist hauptsächlich von einem weit ausgebreiteten Informations- und Kommunikationsnetz abhängig.

Der Begriff der Medienpädagogik umfaßt allgemein die Fähigkeit des kreativen Umgangs mit Medien, der Medienanalyse, des Medienverständnisses und des kritischen und kompetenten Umgangs mit Medien. Media literacy soll als ein neuer Weg der Erziehung in den USA gelten. Dies betrifft sowohl die vorschulische, schulische und universitäre Erziehung, als auch die Erziehung innnerhalb der Familie und der soziokulturellen Interaktion außerhalb der Schule. In der Schule soll das Ziel der Medienpädagogik der kritische und bewußte Umgang mit Medien auf fächerübergreifendem Niveau sein - inclusive der Produktion eigener Medienarbeiten (wie Zeitschriften, Fernsehproduktionen, Internet-Seiten, CD-Roms etc.).

Gerade in den USA ist es sehr schwierig, ein landesweites Konzept zur Verwirklichung von medienpädagogischen Erkenntnissen zu etablieren. Das Fehlen eines einheitlichen Bildungsgesetzes erschwert die Durchsetzung einer umfassenden Medienpädagogik in den USA; die Lehrpläne unterscheiden sich nicht nur von Staat zu Staat, sondern teilweise sogar auch von Schule zu Schule. Das Aufkommen von Workshops, Konferenzen, Tagungen und teacher training zeigt den Versuch, Medienpädagogik wichtig zu nehmen, um der ständigen technologischen Weiterentwicklung der Medien gewachsen zu sein. Oftmals schreitet die Entwicklung aber schneller voran als der Erwerb von Medienkompetenz.

Medienumgang und Medienkompetenz sind zu differenzieren. Allgemein wird in den USA aber aufgeschlossener und unbefangener mit neuen Medien umgegangen als z.B. in der Bundesrepublik, wo man erst den theoretischen Hintergrund sucht, der aber womöglich Spontanität und Kreativität im Umgang mit Medien von vorneherein verdrängt (siehe Schmechtig).

In den USA bedeutet media education, nicht nur über Medien zu lernen, sondern hauptsächlich mit Medien. Die unzureichende Ausbildung komepetenter Medienpädagogen ist das Hauptproblem der Medienpädagogik in den USA. So gesehen ist Medienpädagogik nicht nur ein Muß für Schüler, sondern gleichermaßen auch für Erzieher (Pädagogen, Lehrer, Eltern etc.). Ein sowohl nationaler, als auch internationaler Erfahrungsaustausch ist deshalb von wichtiger Bedeutung.

3.2 Beispiel einer deutsch-amerikanischen Kooperation

(Internationale Kooperation in der Medienpädagogik am Beispiel der Bertelsmann-Foundation)

Die Bertelsmann-Foundation sieht in ihrer internationalen Kooperation die Herausforderung, neue Medien zu analysieren und im täglichen Lern-Lehr-Prozeß zu integrieren, um die Fähigkeiten und das Wissen der Schüler der Zukunft zu identifizieren und zu entwickeln, die in der von Medien und Technologie dominierten Welt von morgen zu bestehen haben. Viele Schüler bringen bereits eine Großzahl medialer Erfahrungen ins Klassenzimmer, zeigen aber häufig Unfähigkeit, diese Erfahrungen bewußt und autonom herauszufiltern. Um den Anforderungen neuer Technologien und der ständig expandierenden Technologiewelt gewachsen zu sein, muß dieses Potential kontinuierlich analysiert werden. Gerade die Bertelsmann-Stiftung legt besonderen Wert darauf, kritischen, autonomen und bewußten Umgang mit Medien zu entwickeln. (vgl. "Media Education as a Challenge - Education as a Task." Bertelsmann.) Das durch die Bertelsmann-Foundation initiierte Kooperationsprojekt der Athens Academy in Georgia, USA, und des ESG Gütersloh definiert Medienerziehung als die "Erziehung von Schülern zum kritischen und verantwortlichen Lesen, Benutzen und Kreieren von Medien in allen Formen."

Im grundsätzlichsten Sinne bedeuten Medien alle Mittel der Informationskommunikation - egal welchen Formats. Gleichzeitig bedeutet dies die Entwicklung tiefer moralischer und ziviler Verantwortung. Aus diesem Grund sollen die Schüler der beiden Schulen ermutigt werden, ein Bewußtsein des Einflusses von Medien auf die Gesellschaft zu entwickeln und das Bewußtsein eines Bedarfs an sozialer Verantwortung, sowohl der Medienproduzenten, als auch der Medienbenutzer, aufzubauen (vgl. Bock).

Die Bertelsmann-Foundation besteht seit 1977 und unterstützt seitdem zukunftsorientierte Projekte in den fünf folgenden Kategorien: Medien, internationale Beziehungen, Politik, Kultur und Erziehung. Auf das Projekt Athens Academy und ESG Gütersloh (Evangelisch-Stiftisches Gymnasium Gütersloh) bezogen sind die Grundsätze der Bertelsmann-Foundation:

- Schüler sollen lernen, Medien, ihre Institutionen und ihre Inhalte zu verstehen.

- Schüler sollen lernen, Medien kompetent und fähig einzusetzen. Dies bezieht sich sowohl auf den technischen Gebrauch von Medien, als auch auf die Selektion des Inhalts.

- Medienerziehung soll alle Medien umfassen.

- Medienerziehung sollte interdisziplinär gelehrt werden.

- Medienerziehung zielt auf eine Verbesserung der Kommunikation des Wissens ab.

Die Integration der drei Zweige technology, media literacy und reading encouragement an der Athens Academy stellt dabei eine für die USA ansonsten unübliche Herangehensweise dar. Dies liegt auch der Tasache zugrunde, daß diese Kooperation sich sowohl pädagogischer Konzepte deutscher Medienerziehung bedient, als auch der in den USA eher unbefangeneren Integration neuer Medien in den Alltag.

3.3 Literaturverweise

Bertelsmann Foundation (Hrsg.). "Media as a Challenge - Education as a Task." Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 1994.

Bock, Matthias (Hrsg.). "Neue Medien im Bildungswesen." Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung, 1996.

Hickethier, Knut. "Der Fernseher." erschienen in "Fahrrad, Auto, Fernsehschrank. Zur Kulturgeschichte der Alltagsdinge." Hrsg. Wolfgang Ruppert. Fischer Taschenbuch Verlag, 1993.

Pungente, J. "Live Long and Prosper! Media Lieracy in the USA." in Clipboard. A Media Education Newsletter from Canada. Vol. 8, No. 2, S.1-11.

Schmechtig, Sylvia. "Studien zur Medienpädagogik in den USA." unveröffentl. Magisterarbeit, Universität Hannover, Institut für Pädagogik, Juni 1995.

4. Multimedia Education und Multimedia Literacy an amerikanischen Colleges und Universitäten

(verantwortlich: Jan Stolle)

4.1 Eingrenzung der Thematik und Vorgehensweise

Innerhalb der USA-Gruppe unseres Projekts Medienpädagogische Konzepte im Internationalen Vergleich konzentriere ich mich auf die Bedeutung von Computern und allem, was sich unter dem Schlagwort "multimedia" subsumieren läßt, an Colleges und Universitäten in den USA.

Mein Interesse an diesem speziellen Thema erwuchs aus einem einjährigen Studienaufenthalt an der Angelo State University in San Angelo, Texas. Die Unterschiede zu deutschen Universitäten in Bezug auf den Einsatz von Computern und die Selbstverständlichkeit im Umgang mit ihnen waren für mich frappierend. Diese Erkenntnis wurde zu einem wichtigen Bestandteil meiner neugewonnenen, eher distanzierten und desillusionierten (jedoch nicht negativen!) Einstellung zu den Möglichkeiten von Bildungssystemen. Das Gruppenprojekt war für mich vor allem unter dem Aspekt interessant, ob sich meine persönlichen Erfahrungen objektivieren ließen.

Ursprünglich verfolgte ich die Absicht, wenn schon nicht die gesamten USA, so doch wenigstens alle Universitäten ausgewählter Einzelstaaten in ihrem Kursangebot zu vergleichen. Dies stellte sich jedoch schon bald als im Rahmen einer Seminararbeit nicht durchführbar dar.

Aus Kosten- und Zeitgründen sollte die Recherche über das Internet stattfinden. Das Kursangebot einzelner Universitäten ist jedoch sehr unterschiedlich detailliert aufgeführt und auch unterschiedlich aktuell (Das reduzierte Programm eines summer terms kann nicht mit dem Katalog für die nächsten drei Lehrjahre verglichen werden). Auch hat sich eine Stichwortsuche (find: multimedia) als wenig hilfreich erwiesen. Zu unterschiedlich sind Terminologie und theoretischer Ansatz, selbst innerhalb eines Fachbereiches.

Die Durchsicht der Quellen ist somit eher stichprobenartig erfolgt. Sie erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Repräsentativität; ich glaube jedoch, daß die Beispiele schlaglichtartig die Unterschiede in Theorie und Praxis über bzw. von "Multimedia" beleuchten können.

Bis jetzt habe ich erst ca. 20 University Catalogs verschieden intensiv recherchiert. Nicht alle haben brauchbare Informationen geliefert - das mag auch mein (Such-)Fehler gewesen sein. Die Fortführung dieses Projekts im nächsten Semester kann die Ergebnisse möglicherweise bessser systematisieren und, neben weiteren interessanten Einzeleinblicken, eher zu einer Aussage über den allgemeinen Stand an amerikanischen Universitäten im Themenkomplex Multimedia Education machen.

4.2 Allgemeine Überlegungen und Erkenntnisse

4.2.1 Das Medienverständnis in der amerikanischen Gesellschaft und in amerikanischen Institutionen

Trotz allgegenwärtiger Medienschelte scheint das Verständnis von und über Medien in den USA ein anderes zu sein als in Deutschland. Ursprünglich erschienen Medien in einem weiten und neu zu besiedelnden Land für ein Mindestmaß an Kommunikation besonders notwendig. Auch die über 200 Jahre alte demokratische Tradition in den USA ließ Medien, egal welcher Form, als spezielle Notwendigkeit erscheinen. Ohne eine effektive Vermittlung von Gedanken, Ideen, Aufrufen und Beschlüssen schien ein Land dieser unvorstellbaren Größe unregierbar, und hätte es statt Reiterboten 1787 schon Radiosender und -empfänger gegeben, wäre den Federalists in ihren Federalist Papers die Argumentation für den Zusammenschluß der Einzelstaaten sicherlich einfacher gefallen.

Neben wirtschaftlichen Gegebenheiten mögen diese geographischen, politischen und kulturellen Voraussetzungen wichtige Impulse dafür gegeben haben, daß neue Medien immer vergleichsweise schnell, weitreichend und flächendeckend eingeführt wurden - ob es sich dabei um den Telegraphen, Radio oder Fernsehen handelte. Bei aller soziologischen Kritik, religiösen Bedenken oder ländlichem Beharrungsvermögen wurde doch ein neues Angebot immer auch als Chance und Bereicherung wahrgenommen - wobei wirtschaftliches und kulturelles Interesse sicherlich Hand in Hand gingen.

Auch bei der Verbreitung von Computern scheinen die USA zumindest einen zeitlichen, vielleicht sogar einen prinzipiellen Vorsprung zu haben. Dies hat natürlich auch äußere Gründe wie die Entstehung des Internets durch das Militär o.ä. Auffallend ist aber neben der besseren technischen Ausrüstung von Privathaushalten, Behörden, Institutionen und Betrieben auch das Ausbleiben des Glaubenskriegs über den Einsatz von Technik. Selbst für Kritiker droht nicht gleich die westliche Welt unterzugehen - ihnen geht es nur um den sinnvollen Einsatz der Technik. Und auch wer Schwierigkeiten hat, mit der neuen Technik umzugehen, akzeptiert doch deren Einsatz im generellen.

4.2.2 Der Einsatz von Medien in allen curricularen Bereichen der Universitäten

Die oben dargelegte Einstellung hat auch Auswirkungen auf das Kursangebot an Bildungseinrichtungen. Technische Medien wie Tonband- oder Videoeinspielungen werden zwar nicht überall, aber sicherlich öfter als in anderen Ländern genutzt. Der Einsatz von Computern beschränkt sich nicht nur auf Computerkurse. Der nutzende und kreative Umgang mit Medien wird nicht nur angeboten, sondern verpflichtend gemacht.

Im Vergleich dazu hat die theoretisierende Diskussion um Prinzipien, Konzepte und Auswirkungen einen geringeren Stellenwert. Natürlich gibt es sie auch, aber der praktische Umgang hat Vorrang. Dies mag zum einen damit zu tun haben, daß bspw. die Computernutzung in den USA weiter fortgeschritten ist als in den meisten anderen Ländern. Sie ist somit eine nicht mehr zu leugnende Tatsache, die einen veränderten Umgang erfordert. Andererseits verstehen sich Universitäten in Amerika aufgrund struktureller Unterschiede, besonders der Studiengebühren, mehr als Dienstleister denn als unabhängige Institutionen. Also solche müssen sie sich über konkrete, meßbare Qualifikation profilieren, nicht ausschließlich über einen intellektuellen Anspruch.

4.2.3 Literacy und Education: Ist diese begriffliche Trennung gültig?

Der vergleichsweise geringe Stellenwert theoretischer Konzepte zum Thema Multimedia Education und vor allem das Fehlen einer allgemein anerkannten Einteilung der "Erkenntnis-Landkarte" fallen in der amerikanischen Bildungslandschaft auf. Die Betonung liegt meistens stärker auf praktischen Aspekten. Die Videoaufzeichnung wird beim Üben von freien Vorträgen genutzt, das universitäre Netzwerk zum Einreichen von computergeschriebenen Übungen, ohne das jedesmal alle sozialen Implikationen dieser Vorgehensweise durchgesprochen werden. Nach unserer Begriffseinteilung geht Können also vor Wissen.

Aber kann diese Sichtweise überhaupt ihre Gültigkeit behalten? Ist dieses Können nicht vielmehr ein ausgesprochen handlungsorientiertes Wissen, das vielmehr zu einer differenzierten Nutzung anleitet als jede dahergebetete Theorie? Wer sich selber schon Gedanken über eine ansprechende Gestaltung einer Homepage im Internet gemacht hat, läßt sich vielleicht nicht von jedem Designgag mehr einfangen - und kann ihn trotzdem zu schätzen wissen. Wer selber einen kurzen Videoclip gedreht hat, legt nicht gleich den Verstand in die Ecke, wenn er ein Musikvideo auf MTV sieht.

Die notwendige Fähigkeit zur Distanzierung kann durch das Wissen um die technischen Gegebenheiten genauso erreicht werden wie durch das Wissen um die sozialen Gegebenheiten. Somit wird Literacy, ob in Bezug auf Fernsehen, Computer oder anderes, zur Education. Andererseits kann die Abstraktion zwar unser Bewußtsein vertiefen und schärfen, bleibt ohne das praktische Wissen aber zusammenhangs- und somit nutzlos. Insofern mag auch der grundlegendste Kurs über Computernutzung mehr Medienbewußtsein wecken als ein theoretisches Seminar, das in keine Realität eingebunden ist.

4.3 Spezielle Beispiele aus den Stichproben

4.3.1 Die Förderung von Computer Literacy an amerikanischen Universitäten

Bezüglich des Übens im Umgang mit Computern lassen sich zwei unterschiedliche, sich ergänzende Vorgehensweisen ausmachen. Einerseits werden Kurse angeboten bzw. zur Pflicht gemacht, die ganz konkret und ohne inhaltliche Notwendigkeit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, einfache Programmierung oder ähnliches üben. Andererseits wird die Arbeit mit Computern, Intra- und Internet und anderen multimedialen Hilfen in ein Seminarangebot eingegliedert. So werden einerseits Computerkurse über die Studienordnungsanforderung hinaus notwendig gemacht, andererseits ein praktischer Nutzen offensichtlich.

4.3.2 Der Stellenwert soziologischer und pädagogischer Überlegungen: Curriculare Beispiele

Die wichtige Rolle, die Multimedia Literacy im universitären Alltag spielt, wird illustriert durch die allgemeine Verbreitung von Kursen, die den praktischen Umgang mit Computern zum Inhalt haben. Die meisten Universitäten bieten diese Kurse nicht nur an, sondern machen sie auch für alle Studenten aller Fächerkombination verbindlich, meistens im ersten oder zweiten Studienjahr. So auch die Angelo State University in Texas, USA, die einen dieser Kurse wie folgt beschreibt:

University Studies:

2323 Fundamentals of Computer Usage

This course is designed to introduce the student to the use of computers. The course will require the student to demonstrate a mastery of computer terminology, a comprehension of the history and significance of computers in society, and an ability to use computers in a range of projects involving data processing, text writing, computer aided instruction, and other applications related to teaching and research in the liberal arts.

This course meets the computer literacy requirements for student seeking teacher certification. It also will help meet the growing need for using the computer as a research tool.

Kurse wie dieser beziehen sich also auf Geschichte und Praxis der Computeranwendung. Sie integrieren dabei jedoch auch soziologisch-pädagogische Überlegungen und lassen sich somit nicht auf die reine Vermittlung von Multimedia Literacy reduzieren.

Weiterführende Kursangebote finden sich dann meistens im Kontext der jeweiligen Fachbereiche. Dabei sind die Themengebiete nicht immer nur und ausschließlich fachspezifisch, wenn auch meist gilt: Computer Science oder Mathematics betonen die rein technische Seite, Journalism oder Communications vertiefen die Anwendung, Education, Sociology, Psychology oder Philosophy befassen sich mit gesellschaftlichen Auswirkungen, erziehungsspezifischen Implikationen und der Wandlung des Bildungsbegriffs.

Das Journalism Department der Angelo State University liefert Beispiele für fachspezifische, anwendungsorientierte Sicht (Communication Technologies) wie auch für eine übergreifende Herangehensweise, die verschiedenartige Dimensionen wie ethische Verantwortung, Bildungseinflüsse und Politikmöglichkeiten integriert (Mass Media Effects and Ethics).

Die Kursbeschreibungen lauten:

4338 Communication Technologies

A survey of existing land line technologies, microwave relays, space transmissions, and the interfacing of computers, video and telephone technologies. Emphasis will be placed on evolving communication technologies.

4355 Mass Media Effects and Ethics

An indepth study of the impacts of mass media on a changing America including a study of the effects of mass media on government, demographic groups, and the military. The study of moral reasoning and ethical decision making as they relate to the mass media.

Während also verschiedene Fachbereiche Anstrengungen unternehmen, über einen rein technischen Ansatz von Computer Literacy hinauszugehen, finden sich spezifisch medienpädagogische Projekte natürlich meist in den (Graduate) Programs in Education. Diese können verschiedenste Formen annehmen. So hat die University of California, Santa Barbara an ihrem Standort Santa Cruz im Center for Research on Education, Diversity and Excellence ein Projekt unter dem Titel Debveloping Immigrant Parents' Computer Literacy in Partnership with Students' Learning, das so beschrieben wird:

Parents of language minority elementary school children are participating in computer training activities and workshops accompanied by children over a 5-year period. The activities and workshops will occur outside of regular school hours and will train parents in use of word processing, graphics processing, and multi-media hardware used by children at school and in an after school computer club. Parents will also be trained in use of the Internet and Worl Wide Web and on Conduct of small scale inquiry projects in collaborations with children. The project will document and evaluate outcomes of computer training on parents and children using qualitative and quantitative methods. A manual for implementation of immigrant parent computer training will be developed and disseminated.

Dieses Projekt erkennt also technische Kompetenz als unmittelbaren Bestandteil sozialer Kompetenz im Bereich Multimedia an und versucht, beides zu fördern, in dem es sich and Schüler und Eltern, somit also an die Akteure primärer Erziehung, wendet. Die Eltern aus den Immigrantenfamilien, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage schwerer Zugang zu modernen Kommunikationstechnologien haben, sollen zusammen mit ihren Kindern gefördert werden, um deren Entwicklung begleiten zu können und nicht durch die technische Entwicklung isoliert zu werden.

Dieser von Neugier und Offenheit zeugende Ansatz, der nicht strikt zwischen Anwendung und Theorie unterscheidet, wird auch deutlich in einem Kursangebot der York University in Kalifornien. Das Graduate Programme in Education bot im Sommer 1996 seinen ersten on-line Kurs an. Hier wurden medienpädagogische Themen gleichzeitig diskutiert und in die Praxis umgesetzt. In der Einleitung wird auch deutlich, wie weit fortgeschritten die Nutzung von Multimedia-Technologien zumindest in Kalifornien schon ist:

Issues in Digital Technology in Education

About the course:

Digital technology permeates the lives of students and teachers almost everywhere: school systems typically have at least one computer for every 15 students, teachers participate in on-line computer conferences with colleagues, schools are clamoring to be linked wordwide with the Internet, and video games and home computers are increasingly a routine part of students' experiences. The impact of this technology is not without ist consequences, however. In this course, the social and pedagogical implications arising from the use of digital technology in education will be critically examined. Special attention will be given to the impact of Internet-based technology, although all forms of digital technology will be considered. The course will be conducted through a combination of face-to-face meetings and on-line electronic seminars.

Electronic seminar themes:
The digital future (...)
Digital technology and literacy (...)
Pedagogy of technology (...)
Societal barriers, equity, and access to technology (...)
Censorship, power and control (...)
Virtual communities (...)
Future of the university (...)
K-12 education in the digital world (...)
Informal learning with digital technology (...)

Viele weitere Beispiele für die Verschiedenartigkeit, Breite und Einschließlichkeit amerikanischer Ansätze zu media education ließen sich anführen. Abschließend soll das Kursangebot eines Semesters an der Columbia University, New York verdeutlichen, welche Bereiche in universitärer Diskussion behandelt werden. Allein das Teachers College bietet im Herbst 1997 mit Bezug zu Multimedia folgende Kurse an:

Communication Politics/Policies and Administration
Communication, Computers and Technology in Education
The Nature of Communication
Design and Communication in Modern Culture
Telecommunication and Distance Learning
Cinema as Cross-Cultural Communication
TV and Development of Youth
Computer Applications in Education
Programming Applications in Education
Hypermedia and Education
Instructional Design of Educational Technology
Cognition and Computers
Computers: Teaching Problem-Solving/Thinking
Technology and School Restructuring
Designing Educational Activities - Internet
Computers and Young Children
Communication, Computing, Technology
Programming
Educational Video Production
Hypermedia Programming
Video-Computer Classroom

Hierzu gesellt sich noch eine Vielzahl von Felduntersuchungen, Praktika und Dissertationsprogrammen zu den genannten Themen. Dies mag die Vielfalt der Diskussion in den USA verdeutlichen.

5. Medienpädagogik in den USA, Fernsehen in der Schule

5.1 Einleitung

Das wohl bekannteste Beispiel von Bildungsfernsehen in und aus den USA ist das Produkt des Children's Television Workshop: Sesame Street. Die 1969 erstmalig gesendete Serie war nur der Beginn, Bildung über das Medium Fernsehen zu vermitteln. Von dieser Verbindung von Bildung und Unterhaltung für das Vorschulalter vor dem heimischen Fernseher soll jedoch in diesem Bericht Abstand genommen werden. Vielmehr wird über das Fernsehen als Unterrichtsmedium in den Schulen Amerikas in Theorie und Praxis berichtet werden. Soweit es möglich ist, wird über die Ansätze auch diskutiert werden. Dieses kann aber nur auf der Basis von der zu grunde liegenden Literatur geschehen und nicht auf grund eigener Erfahrungen. Zuerst jedoch werden die Begriffe 'visual literacy' und 'television literacy' erläuert, da sie im Zusammenhang mit der Medienpädagogik in den USA in der Literatur immer wieder genannt werden und ein Teil der theoretischen Grundlage ist, auf der dieMedienpädagogik in den Vereinigten Staaten basiert.

5.2 Visual Literacy

Da es kein genaues deutsches Äquivalent des Begriffs gibt, wird der englische Terminus ins deutsche übernommen. Deshalb ist es nötig den 'Inhalt' von 'visual literacy' zu erläutern.

Als Grundannahme gilt, daß Menschen primär die Information aufnehmen, von der sie wünschen zu lernen. Kinder tendieren dazu, Bilder nur selektiv wahrzunehmen, das heißt, sie behalten nur bestimmte Elemente aus einem Zusammenhang. Ältere Jugendliche hingegen haben die Fähigkeit, Inhalte zusammenzufassen und zu kommentieren. Dieser Schritt steht offensichtlich im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung. Es stellt sich jedoch die Frage ob dieser Prozeß der Entwicklung in Hinblick auf das Fernsehverhalten obligatorisch ist oder ob er durch entsprechende Erziehung beeinflusst werden kann.

In ihrem Buch Instructional Media and Technologies for Learning, 5th edition, 1996, gehen die Autoren Heinich, Molenda, Russel und Smaldino von folgendem Ausgangspunkt über visuelles Lernen aus: Etwas zu sehen heiße nicht, davon gleichzeitig zu lernen und deswegen müssen Lernende zu lernen angeleitet werden. Das bedeutet, daß prinzipiell von Bildern gelernt werden kann, aber kein besonderes Bewußtsein dafür automatisch vorhanden ist. Dieses Bewußtsein bei Kindern und Jugendlichen auszubilden, nämlich daß von Fotos, Film und Fernsehen gelernt werden kann und zwar mit einer gewissen Distanz und analytischer Betrachtungsweise, ist die Aufgabe der Medien- bzw. der Fernseherziehung. (Vgl: Ingrid Hamm in: Medienkompetenz als Herausforderung an Schule und Bildung. Ein deutsch-amerikanischer Dialog.1992.)

Das Prinzip 'visual literacy' bezieht sich auf die gelernte Fähigkeiten, visuelle Botschaften akkurat zu interpretieren und auch solche Botschaften zu kreieren. Die Forschung über 'visual literacy' untersucht den Einfluß der visuellen Prozesse auf die Erlangung des Wissens, der Fähigkeiten und des Verhaltens.

In den USA es gibt ein Visual Literacy Education Program, das versucht, folgende Ziele zu verfolgen:

1) Kinder an Konzepte und Fähigkeiten heranzuführen, mit denen sie Bilder erklären und mit Bildern kommunizieren können. Hierzu sollen zwei Strategien benutzt werden:

Mit Hilfe der Input Strategy sollen visuelle Botschaften decodiert werden. Das heißt, Inhalte zu analysieren und anhand der Ergebnisse die Unterschiede der Medien zueinander und der jeweiligen Aussagen darzustellen und interpretieren zu können. Die Output Strategy verfolgt den umgekehrten Prozeß. Es soll gelernt werden, sich durch Produzieren von bildlichen Botschaften auszudrücken und miteinander zu kommunizieren. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf dem ganzheitlichen Prozeß von Planung, Produktion und der Aussage des Endprodukts.

Der Medienpädagoge Jaques Piette ( in: Medienkompetenz als Herausforderung an Schule und Bildung, Bertelsmann, 1992) kommt in einer Untersuchung über den Einsatz von Fernsehen im Unterricht in Amerika zu dem Ergebnis, daß in den Vereinigten Staaten überwiegend mit der Input Strategie gelehrt wird, warum das jedoch so ist, kann Piette nicht erklären.

2) Der Beginn von visueller Erziehung soll bereits im Vorschulalter starten.

Ob dieses Anliegen seit 1992 bereits realisiert wurde, ist im Moment noch unklar, da mir bislang keine Literatur zum Thema Medienpädagogik in der Vorschule vorliegt.

3) Visual Literacy soll als wichtiger Aspekt in den Curricula aller Schul-Level vorkommen.

Der dritte Punkt scheint ganz besonders wichtig. Denn nur wenn die Einbettung von Medien in den Unterricht (z.B. Film, Fernsehen) konkreter Bestandteil des Curriculum sind, können Schüler dahingehend unterrichtet werden, welchen Einfluß visuelle oder audio visuelle Medien haben und welche Images sie vermitteln sowie welche Aussagen und Motive dahinterstehen. Außerdem kann dann auch nur auf den Wahrheitsgehalt, bzw die vermittelte Wahrheit der Medien bezug genommen werden.

Das angeleitete Sehen kann Schüler für Stereotype, Generalisierungen und Vorurteile sensibilisieren. Magaret Brown beschreibt das in ihrem Bericht über ein amerikanisches medienpädagogisches Projekt zur Filmanalyse sehr treffend (in: Media as a Challenge - Education as a Task, Bertelsmann 1994.): 'Creating active members of our society in this area will only help the media improve their products for the public. A more critical and analytical public will raise the standards to which we hold forms of the media responsible.'

Ob Visual Literacy 1997 ein Thema in den Curricula landesweit ist, bleibt noch heraus zu finden.

5.2.1 Television Literacy

Der Begriff 'television literacy' distanziert sich nicht grundsätzlich von den Inhalten der 'visual literacy', sondern spezifiert diese für den Umgang mit dem audio-visuellen Medium Fernsehen. David Buckingham beschreibt die Entstehung des Konzepts von 'television literacy' in Amerika Anfang der ß0er Jahre als Folge einer Krise, in der Fernsehen als ein ernsthaftes soziales Problem oder Krankheit gesehen wurde,(vgl. Buckingham, Children Talking Television: The Making of TV Literacy, The Falmer Press, 1993.). Mit Hilfe von 'television literacy' sollte diese Krankheit 'Fernsehen' eingedämmt werden. Inzwischen gehört Fernsehen beinahe zu den natürlichen Gegebenheiten unserer Gesellschaft. Es wird nun weitestgehend nicht mehr als zu bekämpfende Krankheit gesehen, sondern als von der Gesellschaft integriertes Medium unserer Zeit, mit dem aber trotzdem erst gelernt werden muß, sinnvoll umzugehen. 'Television literacy' umfaßt demnach eine Kompetenz, die den Fernsehzuschauer die Fähigkeit gibt, die jeweiligen Bedeutungsinhalte nicht nur zu identifizieren, sondern auch einschätzen zu können.

Insbesondere für das Fernsehen gilt, wie aber auch für andere Medien, daß es ein konstruiertes Medium ist, welches eine eigene, konstruierte Realität besitzt, die von der Lebensrealität abweichend ist. Der Zuschauer sollte die Fernsehrealität immer von der Lebensrealität unterscheiden können.

Außerdem wird gerade durch das Fernsehen die kommerzielle Bedeutung von Medien transparent. Daß Werbung einen Einfluß auf den Zuschauer hat, ist unumstritten, doch in wie weit sich dieser Einfluß bemerkbar macht, hängt von dem Rezipienten selbst und seinem Bewußtsein für die gewünschten Wirkungen ab. Quantität und Zeit sind die Hauptfaktoren des Fernsehens. Das Fernsehen am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts bietet eine Fülle von Sendern und Sendungen sowie 24 Stunden Sendeleistung. Fernseh-Seher müssen sich nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ entscheiden. Jeder Sender, jedes Progamm und jede Serie unterliegt bestimmten Inhalten (ideologisch, politisch, ethisch usw.).

Medienerziehung in den USA sollte nach Ansicht von Patricia Aufderheide die Aufgabe haben die o.a. Punkte den Kindern und Jungendlichen deutlich zu machen. (Vgl. dazu: Patricia Aufderheide, A report of the national leadership conference on media literacy,1992)

5.3 Audio-Visuelle Medien(pädagogik) in der Praxis

Wie zuvor bereits beschrieben wurde, bedeutet Media Education in Amerika hauptsächlich, den Umgang mit Medien zu üben und nicht unbedingt über Medien und Medienstrukturen zu lernen. Der aktive Gebrauch von Medien im Unterricht ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Begriff und der Bedeutung von Medienpädagogik. Wichtig ist, daß das Medium sinnvoll in den Untericht eingebaut ist, denn wie o.a. ist sehen und hören nicht gleich lernen.

In Amerika gibt es verschiedene Projekte, das Medium 'Fernsehen' in den Schulunterricht zu integrieren. Ich beziehe mich hierbei auf die zwei wohl bekanntesten Fernsehprojekte der Vereinigten Staaten: Channel One und CNN Newsroom. Da es etwas Vergleichbares m. E. in Deutschland nicht gibt, werden die Sender im folgenden beschrieben und diskutiert.

5.3.1 Was ist Channel One?

1989 startet Christopher Whittle mit seinem Medienunternehmen Whittle Communications ein Projekt namens Channel One. Whittle macht sich zur Aufgabe, Fernsehen konstant in Schulen zu integrieren. Die Schulen, zumeist öffentliche, verpflichten sich, das Programm täglich den Schülern zu präsentieren und erhalten im Gegenzug das gesamte Hardware-Equipment (Kabel,TV,VCR) für die Klassenzimmer frei Haus. Mitte 1992 waren bereits knapp 12.000 High-School Klassenräume in den USA mit Channel One versorgt. (Neurer Zahlen liegen leider nicht vor, wären aber sicherlich sehr interessant.)

5.3.1.1 Inhalte des Channel One Networks

Begonnen hat das Programm mit einem täglich gesendeten Nachrichtenprogramm (Channel One News) von insgesamt 12minütiger Dauer: zehn Minuten tägliche neuste Nachrichten und zweiMinuten Werbung. Seit 1995 kooperiert Channel One News mit ABC News, um die Qualität der Nachrichtenbeiträge zu gewährleisten. Für bestimmte Projekte arbeiteten sie mit Nachrichtenmagazinen wie TIME, US News & World Report sowie USA Weekend zusammen.

Inzwischen umfaßt das Unternehmen eine Vielfalt von Angeboten für Schulen zur Erweiterung des Unterrichts. The Classroom Channel bietet den Benutzern von Channel One die Möglichkeit aus 250 Stunden Programm auszuwählen, leider ist für mich bislang unklar, wie das genau funktioniert. Ein Kommitee von Lehrern hat dabei die Aufgabe übernommen die Relevanz für die Schul-Curricula sicher zu stellen. Zusätzlich bietet Channel One Network einen Educational Buyer Service (ebs) an. Hierüber können Videos zu günstigen Preisen bezogen werden. Die meisten dieser Videopakete enthalten Stundenplanung und Programmhilfen für die Lehrer, um die Abstimmung mit dem Curriculum zu optimieren.

The College Channel ist ein gemeinsames Projekt von Channel One Network und The Princeton Review, daß High-School Schülern bei der Vorbereitung aufs College behilflich sein soll.

Hacienda Productions ist ebenfalls ein Zweigprodukt des Unternehmens. Hier werden die jeweils besten oder aktuellsten 50 Themen des News-Kanals in längere Dokumentationen dargestellt (Teen Dads, Hate Crimes). Diese Berichterstattungen können sogar weltweit bezogen werden.

Unter der Adresse http://www.channelone.com befindet sich die Channel One Web Site. Hierüber sind Informationen über das Produkt Channel One (wie z.B. die obigen) zu erfahren. Hier werden allerdings keine Preise für die Produkte vom ebs, Wartungsgebühren etc genannt

Das Center for Media Education hat zu dem angegebenen Interneteintrag eine kritische Analyse im Internet veröffentlicht, die unter folgender Adresse einzusehen ist:

(http://tap.epn.org/cme/chan1.html)

5.3.1.2 Channel One -eine Betrachtung aus dem fernen Deutschland

Aus wirtschaftlicher Sicht hat Chris Whittle eine Marktlücke erfolgreich gefüllt. Medienpädagogisch betrachtet hat das Projekt einige Haken und _sen. Auf den ersten Blick wirkt das Angebot sehr reizvoll. Die Schule erhält technisches Equipment und die Möglichkeit, die Vielfalt der Materialien zu nutzen. Die Verpflichtung der Schule gegenüber dem Konzern, das tägliche News-Programm vor vollen Klassen laufen zu lassen, scheint ein bezahlbarer Preis dafür zu sein. Immerhin werden die Schüler mit den neuesten Nachrichten aus aller Welt konfrontiert. Die Selektion der Nachrichten ist jedoch ausschließlich der Channel-One Redaktion vorbehalten.

Weiterhin ist Whittles Konzept, das Programm über die Werbeeinspielungen mit zu finanzieren (immerhin garantiert er jedem werbenden Unternehmen eine bestimmte Zahl an Rezipienten) mehr als umstritten. Der kommerzielle Aspekt von Channel One ist nicht zu verleudgnen. Der Konsum von seriösen Nachrichten geht mit dem Konsum von Werbung einher, und es stellt sich die Frage, welche von den dargebotenen Informationen bei den Schülern größere Resonanz findet.

Nach anfänglicher Euphorie sind inzwischen die kritischen Stimmen gegen das Unternehmen Channel One größer geworden. In einer Initiative, die sich UNPLUG nennt, haben sich Gegner von vermehrter Kommerzialisierung an Schulen zusammen getan. Interessant ist, daß diesen Gegnern von Channel One nicht nur besorgte Eltern und Fernsehhasser angehören sondern auch betroffene Schüler, die sich ganz einfach ausgenutzt und überrannt fühlten (vgl. Unplugging Channel One by Laurie Ouellette). Eine von UNPLUG in Auftrag gegebene Studie der University of Massachusetts hat zu dem Ergebnis geführt, daß Channel One besonders in Schulen finanziell schwacher Bezirke zu finden sei und weniger in den Schulen verbreitet wäre, die von Kindern der mittleren bis oberen Einkommensklasse besucht würden. UNPLUG wirft Whittle vor, daß er sich die finanzielle Situation der Schulen zu Nutzen zu mache und grundsätzlich keine pädagogischen Ziele verfolge.

5.3.2 Was ist CNN Newsroom?

CNN führte 1991 ein Gegenstück zu Channel One ein.

CNN NEWSROOM & WorldView ist ein 30minütiges Nachrichtenprogramm, das für die Benutzung in der Schule konzipiert wurde. Das Programm ist sowohl über Kabel als auch über Satellit zu empfangen und wird täglich wochentags zwischen ß.30 und 9.00 (GMT) gesendet. Die Schulen können die Sendungen aufzeichnen. Für das Programm kann jede Schule eine Sendelizenz beantragen, die, soweit es mir bekannt, gebührenfrei ist. Das Einschreiben funktioniert problemlos über die Web Site. CNN bietet dieses Programm auch für den europäischen Markt an.

5.3.2.1 Inhalte von CNN Newsroom

Jede Sendung beginnt mit einer Zusammenfassung der neusten Ereignisse aus aller Welt. Im Anschluß daran folgt eine längere Berichterstattung aus einem der Themenbereiche Umwelt, Internationales, Wirtschaft oder Wissenschaft. Lehrer haben die Möglichkeit zu den jeweiligen Themen der Sendung Materialen für den Unterricht zu erhalten.

CNN Newsroom hat selbstverständlich auch ein Internetadresse (http://cnn.com) Hierüber können nicht nur Informationen über das Unternehmen, sondern auch die Transkripte zu den Sendungen und der geplante Sendeverlauf in Minuten eingesehen und abgerufen werden. Dieses hat den Vorteil, daß sich der Lehrer auch intensiv mit den Inhalten per Papier auseinander setzen kann (die Schüler natürlich auch). Zusätzlich gibt es noch die Turner Learning web site, worüber Lehrhilfen angeboten werden, wie zum Beispiel Fragen für Diskussionen.

5.3.2.2 CNN Newsroom - eine Betrachtung aus dem fernen Deutschland

Zuerst einmal ist festzustellen, daß es weniger 'Stimmen' zu CNN Newsroom gibt als zu Channel One. Das liegt zum einem sicherlich an der Seriösität, die CNN in Amerika zugeschrieben wird, zum anderen jedoch bestimmt auch an dem Fakt, daß der Hauptkritikpunkt an Channel One hier keinerlei Bedeutung hat. Die Schulen werden vertraglich nicht an einen Sendezwang gebunden. Die Voraussetzung, das Program einspielen zu können, ist die entsprechende Hardware, die jedoch nicht von CNN bereit gestellt wird. Jede Schule muß die Kosten selber tragen und jeder Lehrer handelt eigenverantwortlich, was die Benutzung des Programms angeht. Bislang konnte ich keine Zahlen über den Einsatz von CNN Newsroom im Unterricht ermitteln, bzw wie viele Schulen in den USA die Möglichkeit hätten CNN Newsroom zu empfangen.

5.4 Channel One, CNN oder ....?

Channel One und CNN tragen deutlich dazu bei, Medien generell und besonders Fernsehen in den Unterricht zu integrieren. Beide Institutionen wollen den Jugendlichen das Weltgeschehen um Politik, Wirtschaft usw. näher bringen. Mit bloßem Fernsehen allein ist es jedoch nicht getan, denn zwischen 'sich täglich berieseln lassen' und 'etwas daraus lernen' liegen gewaltige Unterschiede. Das eigentliche Lernen fängt mit der Analyse an, welches bedeutet, daß die Lehrer dazu angehalten werden mhßten, mit den dargebotenen Information zu arbeiten. Die inhaltliche Aufarbeitung von Channel One oder CNN liegt in den Händen der Lehrer und nicht in denen der Sender. CNN weist zwar ausdrücklich darauf hin, daß die Inhalte nur in bezug auf das Curriculum benutzt werden sollen, die Verantwortung für die Realisation liegt allerdings beim Benutzer. Die Chance, daß aufgrund der freiwilligen Benutzungsmöglichkeit von CNN Newsroom, die Themen dann auch passend in den Unterricht eingebunden werden, ist vielleicht größer als beim 'aufgezwungenen Fernsehen' von Channel One, da eben der Sendezwang wegfällt. Bei Channel One besteht eindeutig die Gefahr, daß das tägliche Fernsehen im Unterricht für die Schüler (und Lehrer) bald langweilig wird. Der Effekt der Übersättigung wäre dann genau das Gegenteil von einem aktiven, bewußten Fernsehverhalten, nämlich das Desinteresse an dem Lernen mit und über das Fernsehen.

Inwieweit sich der Trend des täglichen Fernsehens in der Schule in Deutschland etablieren wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.

 

 

5.5 "Film-Criticism" an der Angelo State University in Texas - ein Erfahrungsbericht (von Andreas Ruhnow-Thieße)

An dieser Stelle möchte ich, Andreas Ruhnow-Thieße, einige meiner persönlichen Erfahrungen an amerikanischen Highschools ergänzen. Ich habe, ebenso wie Jan Stolle, für ein Jahr an der Angelo State University in Texas studiert, und zwar im akademischen Jahr 1996/7. In dieser Zeit habe ich einen Kurs mit dem Titel ‘Film Criticism’ in Englisch belegt, über den ich hier zunächst berichten möchte, da er ein gutes Beispiel für die Auffassung von Medienpädagogik zumindest an dieser Universität ist.

In den ‘course descriptions’ der Universität findet man folgende Kurzbeschreibung:

4355 Film Criticism.
A study of the cinema as an art form and an index to popular values.

 Der Film als eines der heute einflußreichsten Medien unserer Zeit wurde dementsprechend von verschiedenen Seiten untersucht. Zunächst einmal waren auch einige Aspekte der Medienkunde bedeutsam, wie zum Beispiel technisches Hintergrundwissen und soziale Bedingungen bei der Filmproduktion. So wurden unter anderem die verschiedenen Zuständigkeitsbereiche der Personen, die an der Produktion eines Filmes beteiligt sind, abgegrenzt. Auch verschiedene Möglichkeiten der Filmproduktion wurden vorgestellt, wie zum Beispiel die Besonderheiten der unabhängigen Filmproduktion. Weiterhin wurden verschiedene Filmtypen und - Gattungen besprochen. Der Hauptanteil des Kurses bestand jedoch darin, formalistische und stilistische Mittel des Filmes kennenzulernen, um auf dieser Grundlage Filme kritisch analysieren zu können. Dazu gehörten zunächst Organisationsprinzipien des Filmes wie Motiv, Parallele und Rückblende. Im Mittelpunkt standen jedoch der Stil, wie zum Beispiel Aspekte von `Mise-en Scene`, wie Ort der Handlung, Kostüm, Make-up, Belichtung, Ausdruck und Bewegung der Figuren . Es wurden also in beträchtlicher Tiefe die unterschiedlichsten Techniken behandelt, die sich auf das fertige Bild auswirken, wobei ständig die Intentionen bzw. Effekte bestimmter Techniken im Lehrbuch exemplarisch an verschiedenen Filmen dargelegt wurden. Ebenso gründlich wurden Cinematographie, Editing und Ton behandelt. Parallel zum Bearbeiten des Lehrbuches wurde jede Woche ein amerikanischer Filmklassiker gezeigt (zum Beispiel Citizen Kane, High Noon usw.), der dann eigenständig nach den bereits behandelten Aspekten analysiert werden sollte. Als Semesterarbeit mußte dann jeder Seminarteilnehmer einen Film nach bestimmten Schwerpunkten analysieren, wobei ich persönlich zum Beispiel `Schindler`s Liste` gewählt habe.

Reflektierend und zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Kurs einen sehr guten Einblick in die vielen Techniken vermittelt hat, die zum Entstehen des fertigen Bildes beitragen. Wichtig war auch, daß die Effekte und manchmal sogar Manipulationsmöglichkeiten dieser Techniken einen großen Stellenwert in diesem Seminar hatten. Auch wenn dies vom Dozenten nicht explizit genannt wurde, war ein wichtiges Ziel des Kurses also, daß die Teilnehmer eine gewisse Distanz zum Medium Film entwickelten und ihr Fernsehverhalten vom bloßen Konsumenten zum kritischen Betrachter änderten. Dies finde ich sehr wichtig, vor allem für Lehrer, denn nur wenn sich diese zunächst selbst kritisch mit Medien beschäftigen, können sie versuchen, diese erlernte Fähigkeit auch ihren Schülern zu vermitteln. Deshalb wäre es wichtig, wenn solche oder ähnliche Kurse auch vermehrt an deutschen Universitäten angeboten werden.

 

In einem zweiten Teil soll nun über die schulische Realität der Medienpädagogik berichtet werden, so wie ich sie während eines an mein Studium anschließenden dreimonatigen Aufenthalts in San Angelo erlebt habe. Während dieser Zeit besuchte ich vier Highschools in und um San Angelo, wobei ich mir ein Bild über Medienausstattung und Nutzung an diesen Schulen machen konnte: Es handelte sich um Central Highschool und Lakeview Highschool, zwei Schulen in San Angelo mit jeweils etwa 2800 und 1300 Schülern, um Wall Highschool in einem benachbarten ländlichen Schulbezirk mit etwa 200 Schülern und um Pays School mit etwa 100 Schülern. Es handelt sich also nur um Fallbeispiele, die sicherlich nur ein begrenztes Bild über medienpädagpgisches Handeln an Schulen in den USA liefern. Dennoch sollen hier exemplarisch gewisse Tendenzen aufgezeigt werden.

Zunächst ist es einmal wichtig zu wissen ,daß in den USA alle Schulen einem jeweiligen Schulbezirk (school district) angehören, die finanziell weitgehend eigenständig arbeiten. Das heißt, daß die Gelder für die Schulen aus dem in diesem Bezirk eingenommen lokalen Steuern und eventuellen Spenden bezahlt werden. Von diesen Schulbezirken gibt es in den gesamten USA etwa 15000. Da nun die Amerikaner sehr großen Wert darauf legen, daß sie selbst als Bürger möglichst viel Einfluß auf ihre Schulen haben, sind diese school districts oft sehr unterschiedlich groß und demographisch sehr verschieden. So kann ein Bezirk einerseits Tausende oder Zehntausende von Schülern in einem eng bevölkerten Stadtkern in einer der Metropolen umfassen, andererseits aber auch aus einer isolierten ländlichen Gegend mit nur einigen hundert Schülern bestehen. Diese Situation wirkt sich wiederum beträchtlich auf die Ausstattung der betreffenden Schulen mit Medien aus, da solche kleinen school districts in der Regel auch sehr viel weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Ausnahmen bestätigen allerdings gelegentlich die Regel, zum Beispiel wenn es hier einige reiche Bürger gibt, die der Schule einen Teil ihres Vermögens zukommen lassen. Als ich zum Beispiel einmal in Texas durch eine Kleinstadt mit etwa 4000 Einwohnern fuhr, wunderte ich mich, daß es hier eine ziemlich große und recht neu und modern aussehende Highschool gab, während die Stadt ansonsten einen recht verlassenen Eindruck machte, und viele Häuser schon etwas älter und ungepflegt aussahen. In anderen gleich großen Städten hatte ich noch nie so eine moderne Schule gesehen. Später erfuhr ich durch einen Freund, daß man hier Öl gefunden hatte und die Besitzer der Ölgruben der lokalen Schule viel Geld zukommen ließen.

Allgemein kann man jedoch sagen, daß diese Schulen in kleineren Schulbezirken schlechter mit Fernsehern, Videorecordern, Overheadprojektoren und vor allem mit aufwendigen Einrichtungen wie Sprachlaboren ausgestattet sind. Von den vier Schulen, die ich besuchte, hatte wirklich nur die größte Schule, die von etwa 2800 Schülern besucht wurde, ein solches Sprachlabor. Fernseher und Videorecorder sind allerdings teilweise auch in kleineren Schulen vorhanden, was sicherlich größtenteils auf die weiter unten erwähnte Förderung von Schulen durch Fernsehanstalten zurückzuführen ist.

Weiterhin machte ich die Erfahrung, daß es in sehr vielen kleinen Städte und Gemeinden, wie der oben erwähnten, nicht nur Grundschulen, sondern auch Highschools gibt, so daß die Schüler selten in eine Großstadt zur Schule fahren müssen. Dies ist ebenfalls auf die oben erwähnte, in Amerika fest verankerte lokale Kontrolle der Schulen durch die Bürger zurückzuführen.

Wie werden nun Medien im Schulalltag genutzt? Dazu muß man erst einmal wissen, daß es in den USA neben den weitverbreiteten Highschools, wie wir sie kennen, auch eine kleine aber steigende Anzahl von sogenannten alternativen Highschools (zu denen auch Pays School gehörte) gibt, und daß sich diese beiden Schultypen im Mediengebrauch und in der Mediennutzung stark unterscheiden. Das hängt vor allem mit der Größe und der Organisation dieser Schulen zusammen:

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Schulen sind die alternativen Schulen in den USA meist sehr klein und bei weitem (noch) nicht in jeder Stadt zu finden. San Angelo, eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern, hat eine solche Schule mit etwa 100 Schülern. Diese haben im allgemeinen die gewöhnliche Highschool für eine gewisse Zeit aus persönlichen Gründen (Arbeit, Schwangerschaft...) abgebrochen oder manche Schüler wechseln auch von der einen zur anderen Schule. Der Vorteil ist, daß die Schüler entweder nur vormittags (8-12 Uhr) oder nur nachmittags (12-16 Uhr) die Schule besuchen und so noch genügend Zeit für Arbeit oder Kinder ist. Auch wenn der Abschluß beider Schultypen gleichwertig ist, verläuft das Lernen auf eine andere Art und Weise. Die Schüler wissen genau, welche Lerninhalte sie für einen bestimmten Leistungsnachweis (`credit`) beherrschen müssen und sie entscheiden selbst, wann sie genügend gelernt haben, um die entsprechenden Tests zu schreiben. Jeder bestimmt also sein Lerntempo selbst, und der Lehrer fungiert als Tutor, der den Schülern zur kurzen Einzelbetreuung für auftretende Fragen bereit steht. Ansonsten arbeitet jeder Schüler eigenständig mit seinem Lehrbuch und vom Lehrer verteilten Arbeitsblättern und sonstigen individuellen Arbeitsanweisungen.

Um hier das Lernen für die Schüler interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, aber auch, um Anforderungen an praktischen Arbeitsanteilen zu erfüllen, werden an solche Schulen Medien verstärkt eingesetzt. Das war vor allem in dem Fach Biologie zu sehen. Der Fachraum war neben einem kleinen Labor mit einem Fernseher und einem Videorecorder, 3 etwas älteren Macintosh Computern und einem modernen Computer mit CD-ROM-Laufwerk ausgestattet.

 

Da nun die Anforderungen der beider Schultypen dieselben sind, müssen auch die Schüler an diesen Schulen Laborarbeiten durchführen. Da der Lehrer nun Schüler verschiedener Klassen gleichzeitig in seinem Raum hat und er bei Fragen für alle Schüler zuständig ist, ist es ihm oft nicht möglich, alle Schüler bei diesen praktischen Arbeiten zu betreuen. Deshalb können diese praktischen Arbeiten durch das Bearbeiten von entsprechende Medien ersetzt werden. So schauen sich die Schüler mit Kopfhörer ein entsprechendes Video an, und beantworten anschließend auf einem Arbeitsblatt bestimmte Fragen. Auch kann eine Lerndiskette mit Demos durchgearbeitet werden, wobei die Schüler zum Beispiel die zu erwartenden Reaktionen bei bestimmten Prozessen mit dem Vorwissen vorhersagen und am Ende einen Abschlußtest bestehen müssen. Die Ergebnisse kann der Lehrer dann später abrufen. Schließlich gab es auch modernste CD-ROM-Disketten, auf der die Schüler fast naturgetreu Tiere sezernieren können, anschließend über die freigelegten Organe etwas erfahren, und am Ende auch einen Test bestehen müssen. Die Schüler werden also dazu gebracht, mit den Medien als Hilfsmittel zu lernen, denn durch den jeweils anschließenden benoteten Test werden sie dazu gezwungen, ihr gewohntes Konsumieren von Medien aufzugeben und aus der Benutzung des jeweiligen Programmes etwas zu lernen

Dieses Ziel versuchen auch die gewöhnlichen Highschools zu erreichen. Zum Beispiel wurden in einer Biologieklasse Medien zur Vermittlung von bestimmten Wissensinhalten, also didaktisch, genutzt. Sehr beliebt waren hier jedoch hauptsächlich wissenschaftliche Videos. Im Gegensatz zu unseren Schulen, wo Filme zwar auch didaktisch eingesetzt werden, aber das Behalten und Verstehen des Inhalts nicht unbedingt überprüft werden, wußten die Schüler an Central Highschool, daß sie nach dem Video sofort einen Test (quiz) zu erwarten haben, so daß die Mehrheit der Schüler bereits während des Filmes mitschreibt. Insofern wird den Schülern auch gleichzeitig indirekt gezeigt, daß Medien sinnvoll, nämlich zum Wissenserwerb, genutzt werden können. Damit wird auch Medienerziehung an amerikanischen Highschools betrieben, wenn auch nur indirekt und kaum so speziell, wie dies in Universitätskursen gelehrt wird. Insofern kann ich auch an dieser Stelle den bereits von Jan Stolle erwähnten `hands-on-approch` beim Umgang der Amerikaner mit Medienpädagogik bestätigen.

Lernprogramme auf Computern hingegen werden meiner Erfahrung nach an den anderen Highschools kaum zur Wissensvermittlung genutzt. Dies erklärt sich natürlich aus der Tatsache heraus, daß hier der Unterricht stets im Klassenverband abläuft, und somit dem deutschen Schulsystem entspricht. Es wird also hier kollektiv gelernt, sei es durch Frontalunterricht, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, ein Unterrichtsgespräch oder auch mal Einzelarbeit. Da in den alternativen Highschools, wie schon gesagt eigenständiges Lernen im Vordergrund steht, ist es hier angebracht und in einigen Fächern ( z. B. Biologie) aus organisatorischen Gründen sogar notwendig, daß Computer die Lehrer unterstützen.

Anders sieht es mit modernen Großeinrichtungen wie Computerräumen und Sprachlaboren aus. Von den vier Schulen, die ich besuchte, hatten nur die Größte (Central High School) solche Einrichtungen. Sowohl das Sprachlabor als auch der Computerraum waren mit modernsten Geräten ausgestattet.

Das Sprachlabor hatte etwa 50 voneinander abgegrenzte Plätze und vorn im Raum ein Steuerungszentrum für den Lehrer. So konnten die Schüler zum Beispiel jeder für sich einen Text auf Tonband sprechen und anschließend das Aufgenommene sich wieder selbst anhören. Auch konnte der Lehrer jeweils zwei oder auch mehrere Schüler miteinander verbinden, so daß sie Dialoge untereinander halten und aufnehmen konnten. Dabei kann der Lehrer die Aktivitäten eines jeden Schülers abhören und auf einem Monitor durch Berührung der entsprechenden Note die Leistung beurteilen. Auch kann er seinen Kopfhörer und Mikrofon mit dem eines Schülers verbinden und so jedem Schüler einzeln gewisse Tips geben oder Fragen beantworten. Schließlich können dem Schüler Texte vorgespielt werden, um das Hörverständnis zu schulen. Es handelt sich um eine High-Tech Einrichtung, wie ich sie an deutschen Schulen persönlich noch nicht erlebt habe. Um diese als Lehrer benutzen zu können, ist zunächst eine Einarbeitungszeit nötig. Das schreckte jedoch anscheinend keinen Lehrer ab, da fast alle Fremdsprachenlehrer (Deutsch, Spanisch, Französisch) diesen Raum regelmäßig benutzen, so daß er fast ständig belegt ist. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand. Im Gegensatz zum herkömmlichen Unterricht im Klassenverband können hier alle Schüler gleichzeitig oder auch in Partnerarbeit einen Text lesen oder auf andere Weise kommunizieren, so daß sich jeder Schüler beteiligen kann und keiner gelangweilt ist. Es ist also didaktisch sinnvoll, Texte hin und wieder mit Hilfe solcher Geräte zu erarbeiten. Außerdem ist das Arbeiten mit solchen Geräten oft ökonomischer für den Lehrer, denn auf diese Weise kann er alle Schüler in einer kurzen Zeit beurteilen und auch die Schüler individueller unterstützen und fördern. Hier zeigt sich also eine Möglichkeit, Medien einmal auf einer ganz anderen Weise didaktisch geschickt einzusetzen.

Schließlich möchte ich noch einiges zur Ausstattung und Nutzung des Computerraumes an dieser Schule sagen. In diesem Raum befinden sich mehr als 30 Terminals, so daß jeder Schüler einen Computer für sich benutzen kann. Neben den neusten Textverarbeitungsprogrammen hat diese Schule auch Internet und e-mail auf jedem Computer. Die Deutschlehrerin dieser Schule nutzte diese Ausstattung, um mit ihren Klassen einen Briefkontakt zu einer deutschen Schule aufzubauen. So gab sie ihren Schülern eine praktische Aufgabe, nämlich einen Brief an die deutschen Brieffreunde zu schreiben, und gleichzeitig konnte sie überprüfen, in wie weit die Schüler schon die gelernten Vokabeln beherrschen und wo es noch Schwierigkeiten gibt. Bei diesem Briefkontakt handelte es sich jedoch um ein zusätzliches Projekt, das nur selten im Unterricht betrieben wurde und vom Engagement der Schüler abhängig war. Dennoch finde ich es sinnvoll, den Computer auch auf diese Weise didaktisch einzusetzen, da die Schüler so neben den Lehrbuchtexten authentische, aktuelle Texte erhalten.

Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß auch Erfahrungen aus dem Schulalltag in den USA bestätigen , daß ein praktischer Umgang ( hands-on approach) mit Medien im Vordergrund steht. Es gibt keine Kurse, die speziell einen sinnvollen Umgang mit Medien vermitteln, doch wird dies bei der Benutzung der unterschiedlichen Medien automatisch gefordert. Weiterhin sollte man noch einmal festhalten, daß es eine große Spannbreite in der Ausstattung amerikanischer Schulen mit Medien gibt, soweit diese nicht von Privatleuten oder Fernsehsendern gesponsort werden. Größere Schulen sind jedoch gegenüber deutschen Schulen viel besser und auch bereits viel länger mit modernsten Einrichtungen ausgestattet.

 

 

5.6 Literaturangaben

Auderheide, Patricia: A Report of the National Leadership Conference on Media Literacy, 1992. Siehe auch: http:// interact.uoregon.edu/MediaLit/FA/MLArticleFolder/aspen.html

Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.): Medienkompetenz als Herausfordeung an Schule und Bildung. Ein deutsch-amerikanischer Dialog, Gütersloh, 1992.

Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.): Media as a Challenge-Education as a Task, Gütersloh, 1994.

Brown, Magaret: Film Analysis, in: Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.):Media as a Challange-Education as a Task, Gütersloh, 1994, S. 123-126.

Buckingham, David: Children Talking Television: The Making of Television Literacy. The Falmer Press, 1993.

Heinich, Molenda, Russel, Smaldino, Instuctional Media and Technologies for Learning, 5th ed. Merrill, Englewood cliffs, New Jersey, 1996.

Ouelette, Laurie: Unplugging Channel One. Http://www.as-we-are.com/awa/issue2/unplug.html

Verantwortlich: Wibke Schulz


Aktualisiert am 25. Februar 1999