Medienpädagogik in den Niederlanden

- ein Zwischenbericht -


von:
Von: Birthe Scholz (birthe.scholz@stud.uni-hannover.de), Annett Möbius (annett.moebius@stud.uni-hannover.de)


Gliederung:


1. Einleitung

Um Medienpädagogik international vergleichen zu können, muß man mehrere Länder hinsichtlich dieser Thematik untersuchen. Da die Niederlande auf diesem Gebiet noch nicht erforscht waren, haben wir uns dieses Land ausgesucht. Unser Vorgehen wird wie folgt beschrieben.

2. Heutiger Forschungsstand

An dieser Stelle möchten wir darstellen, was wir bis zum heutigen Tage unternommen haben, um an Informationen über die Medienpädagogik in den Niederlanden zu gelangen:

1. Über das Internet versuchten wir an Adressen von niederländischen Schulen zu kommen. Dies ist uns auch gelungen! Allerdings kamen wir nur an eine Liste mit Adressen von Freien Schulen, sogenannten Rudolf-Steiner Schulen. Wir versanden unseren Fragebogen in Form von 20 Faxen und E-Mails an diese Schulen. Bis zum heutigen Tag erhielten wir keine Antwort, da diese Schulen, wie wir erst später erfuhren, insbesondere neuen Medien gegenüber wenig aufgeschlossen sind und ein sehr eigene Art der Unterrichtsgestaltung haben.

2. Wir nahmen via E-Mail Kontakt zu dem sehr kompetenten niederländischen Medienpädagogen Teun Velders auf, welcher unseren ausführlichen Fragebogen, der ebenfalls auf dieser Homepage veröffentlicht, beantwortete. Die Antworten (allerdings in Englisch!) werden an dieser Stelle abgebildet.

3. Zu dem ebenfalls sehr bekannten Medienpädagogen Jo Groebel versuchten wir auch Kontakt aufzunehmen, was uns aber bisher noch nicht gelang. Statements von ihm fanden wir in der Zeitschrift: Medienkompetenz im Informationszeitalter. Die entnommenen Informationen sind unter Punkt 6. "Medienpädagogik heute" festgehalten.

4. Aus der Zeitschrift "Medium" von 1976! erfuhren wir reichlich über medienpädagogische Institutionen und freie Mediengruppen, welche nachfolgend genauer beschrieben werden.

 

3. Geschichte und Ziele medienpädagogischer Institutionen in den Niederlanden

 

3.1. Institut Film und Jugend

Das Institut Film und Jugend wurde 1948 gegründet. Anfangs betrieb man eine Bewahrpädagogik, d.h. es wurden nur Gespräche über Filme und deren pädagogische Wirksamkeit geführt und es wurde rückwirkend versucht auf Medien Einfluß zu nehmen. Diese Haltung änderte sich gegen Ende der 60er Jahre. Der Schwerpunkt wurde jetzt auf aktive Medienarbeit gelegt, z.B. Filme selbst drehen. Außerdem wurde 1968 ein Gesetz erlassen, welches weiterführenden Schulen besonders die Entwicklung der Kreativität von Kindern und Jugendlichen nahelegt.

Die Aufgaben des Instituts umfassen:

Besonderen Wert legt das Institut auf den aktiven Umgang mit Medien seit der Grundschule an.

3.2. Studiensekretariat

Das Studiensekretariat führt Studien und Untersuchungen zum Gebiet der audiovisuellen Kommunikation durch. Diese Studien beinhalten soziologische, sozialpsychologische und semiologische Aspekte. Ziel des Studiensekretariats ist es möglichst viel Material zum diesem Thema zu sammeln und zu publizieren. Zu diesem Zwecke wurden mehrere Kommissionen gebildet, die anteilig mit Theoretikern und Praktikern besetzt sind und unterschiedliche Studien durchführen.

Das "Institut Film und Jugend" sowie das "Studiensekretariat" gehören zum Dachverband "VEREINIGTES NIEDERLÄNDISCHES FILMINSTITUT". Dazu gehören noch der "Audiovisuelle Dienst", das "Filmzentrum" und das "Niederländische Filminstitut", die ähnliche Aufgaben wie die zwei vorher beschriebenen haben.

 

3.3. Centraal Filmberaad

Der "Centraal Filmberaad" wurde 1966 gegründet und ist ein freiwilliger Zusammenschluß von 18 Organisationen, die eine Interessenvertretung gegenüber dem Staat und der Öffentlichkeit darstellen. Sie verstehen sich als Beratungsstelle für Ministerien und Einrichtungen mit dem Ziel eine einheitlich orientierte Audiovisuelle Bildung (Medienpädagogik) voranzutreiben. Der "Centraal Filmberaad" besteht aus einem Vorstand (Kontaktkommission) und verschiedenen Arbeitsgruppen: z.B.

Das große Ziel des "Centraal Filmberaad" ist es, eine Übersicht über die Medienpädagogik in den Niederlanden zu gewinnen.

 

3.4. Nederlandse Filmpaedagogiese Opleiding

Ziel dieser Institution ist die medienpädagogische Ausbildung von Fachkräften, d.h. von Lehrern und interessierten Pädagogen. Sie führen Wochenendkurse zur AV-Bildung durch, die in Basiskurse (theoretische Einführung) und Aufbaukurse (Praxis) gegliedert sind. Mit Absicht wird mit primitiven und eingeschränkten Materialien gearbeitet, um die Kreativität

Zu erhöhen und die Nutzungsmöglichkeiten der Materialien zu verdeutlichen und optimal auszunutzen.

 

3.5. Entwicklungswerk Drenthe

Das "Entwicklungswerk Drenthe" stellt eine Art medienpädagogische Entwicklungshilfe in einem sehr ärmlichen Gebiet der Niederlande dar. Angefangen wurde mit recht primitiven Medien, wie z.B. Puppentheater. Später kamen noch musische Tätigkeiten sowie technische und audiovisuelle Medien hinzu. Es konnte eine große Anzahl von Videoproduktionen hergestellt werden, und in Eigenarbeit wurde ein Bus komplett für die Videoproduktion eingerichtet.

Das Ziel des Entwicklungswerkes ist die Entwicklung eines kritischen Bewußtseins in Ansichten und Handlungen.

 

3.6. Universität Utrecht

Im Fachbereich Soziologie der Universität Utrecht werden Videoproduktionen als Diplomarbeiten anerkannt. Dieser eher ungewöhnliche Medieneinsatz an einer Universität soll den Schwerpunkt des Studiums auf die aktive Forschung legen und außerdem den Medieneinsatz normalisieren.

Ziel der Universität ist es, eine kritische Soziologie zu betreiben, sich nicht mit Ausweglosigkeit und Unzufriedenheit einer Situation abzufinden, sondern die Situation durch Produktion zu verändern und zu beeinflussen.

 

 

4. Beispiel: Projekt - Heimvolkshochschule Eerbek bei Arnheim

Anhand dieses konkreten Beispiels wollen wir zeigen, wie man z.B. Lehrern die Möglichkeiten des Gebrauchs "neuer Medien" in Form eines Kurses aufzeigt, und sie dazu befähigen diese zu benutzen. Es ist eine von vielen Möglichkeiten neues Medienwissen zu vermitteln. Man erkennt an diesem Beispiel den wichtigen Aspekt des praktischen Bezuges durch die immer wieder angesetzten Praxisübungen und die vierwöchige Pause, um sein erlerntes Wissen bei Schülern anzuwenden.

Leider ist auch dieses Beispiel ca. 20 Jahre alt, und wir haben keinen Vergleich zur heutigen Zeit. Wir müssen allerdings dazu sagen, daß es beeindruckend ist, wie weit die Überlegungen schon damals waren.

Die Heimvolkshochschule Eerbek ist eine von einigen Versuchsschulen, die vernachlässigte Themen, gerade im Bereich der Medienpädagogik bearbeiten, bzw. sich darauf spezialisiert haben. Sie eines von vielen Projekten, die zwar außerschulisch, aber auf schulischer Basis versucht, Menschen aus unterschiedlichen Schichten und verschiedenen Interessenslagen für Medienarbeit zu begeistern und in ihrem Lebensumfeld geeignet einzusetzen.

Diese Schule ist von der Hobbyphotographie zu den audiovisuellen Medien gelangt. Die Schüler kommen aus verschiedenen Bereichen. Es wird z.B. mit schwer zu motivierenden Jugendlichen gearbeitet. Bei diesem Klientel verläuft die Arbeit sehr erfolgreich ab, was u.a. daran liegt, daß konkrete Interessen der Jugendlichen angesprochen werden. Außerdem werden ihre Stellungen und Erfahrungen in der Gesellschaft aufgearbeitet. Ein weiteres Angebot dieser Schule ist die Umschulung von Arbeitern, was auch Servicetraining genannt wird. Es werden auch Kurse für Lehrer zu den AV-Medien angeboten, was ich persönlich sehr wichtig finde, da das Lernen mit Medien einfacher ist und mehr Spaß macht. Die Lehrer können ihr erworbenes Wissen direkt weitergeben und erproben. Aus diesem Grund habe ich ein Beispiel eines solchen Kurses für Lehrer hier aufgeführt.

 

4.1. Beispiel eines Kurses über AV- Medien für Lehrer

 

Block (zwei Tage):

 

Block (drei Tage):

VIER WOCHEN PAUSE

(Versuchsphase in den Schulen/ Erfahrungen über die Reaktionen der Schüler sammeln)

Block (fünf Tage)

 Abweichungen dieses Schemas sind möglich.Es muß nicht jede Gruppe einen Film erstellen. Es können auch Phototafeln, -montagen, -geschichten gewählt werden. Desweiteren werden Tips, Tricks und Hilfen zu Reparaturen oder Erstellung verschiedener Geräte gegeben.

 

5. "Freie" Medienorganisationen

Hier sehen wir zwei Beispiele, wie die "Freien Medienorganisationen" untereinander zusammenarbeiten und verknüpft sind.Einige "Freie" Medienorganisationen haben sich zwar auf eine bestimmte Art der Medienpräsentation spezialisiert, aber alle verfolgen das selbe Ziel, nämlich die Verbreitung der "neuen Medien".An diesem ersten Beispiel sieht man sehr gut, wie diese Organisationen zusammenarbeiten und welchen Aufgaben sie sich zuordnen. Durch diese Zusammenarbeit werden Kosten und Arbeitszeit eingespart, da jeder Gruppe andere Materialien und Spezialisten zur Verfügung stehen.

 Video de Lantaren (Videowerkstatt in Rotterdam/ von der Stadt finanzierte Gruppe/ animiert die Bewohner, sich über die Medien zu artikulieren.)

arbeitet eng zusammen mit:

Lijbaacentrum (kunstspezifische Organisation/ von der Rotterdamse Kunststichting finanziert/ starke Kunstperspektive/ verstärkt audiovisuelle Begleitmaterialien/ Trend zu gesellschaftlichen Themen, z.B. Ausstellung über die Kultur der Suriuaner)

läßt von Meatball Videoproduktionen erstellen:

Meatball (Videogruppe in Den Haag/ hat im ganzen Land Aktionsgruppen/ wird von der Gruppe bezahlt, für die sie arbeiten/ Zuschüsse von der Regierung)

realisierte Idee von Meatball:

Kijkhuis (Schauhaus, Distributionszentrum/ von einem privaten Gönner finanziert/ dort ist eine Präsentationsmöglichkeit der Filmproduktionen vom In- und Ausland)

 

Hier das zweite Beispiel:

Viele Organisationen haben eine Zentrale oder Dachorganisation, so auch hier. "Free Circuit" ist eine Dachorganisation der alternativen Filmverleiher, die Geräte und Filmvorführer (Menschen, die in der Lage sind mit diesen Geräten umzugehen) zur Vorführung von Filmen zur Verfügung stellt. Außerdem wollen sie die Ausleihbedingungen der anderen Anbieter angleichen und die Produktionsbedingungen verbessern, um zwischen den einzelnen Organisationen keinen Konkurrenzkampf entstehen zu lassen, denn es sollen alle zusammenarbeiten, um die Möglichkeiten der Verbreitung der neuen Medien zu verbessern und vergrößern. Auch an diesem Beispiel erkennt man die Verknüpfungen der Einzelnen zu einem großen Komplex.

Errichtung einer Dachorganisation der alternativen Filmverleiher

Free Circuit (Bereitstellung der Filmvorführer/ Angleichung der Ausleihbedingungen/ Verbesserung der Produktionsbedingungen alternativer Filmer in den NL)

 

Filmverleihkollktive (z.B. Fugitive Cinema)
(Ziel: Aufbau eines Netzes aktiver Vorführer/ Angebot: Ausbildung aktiver Vorführer)

 

verschiedene Aktionsgruppen in verschiedenen Ländern

 

Krities Filmers  Amsterdamser Stadjournal
(Produktionen mit Jugendzentren zusammen /  Verbindung mit mehreren Medien/ Lebensumstände der Zielgruppen werden gefilmt) erstellen problemorientierte Filme,z.B. von Stadtvierteln/ gibt eine Filmzeitschrift heraus "sirien"/ Ziel: andereGruppen animieren und Druck auf offizielle Gruppen ausüben)

 

 

6. Medienpädagogik heute in den Niederlanden

(Jo Groebel)

Wie schon erwähnt gibt es gibt es zum heutigen Stand der Medienpädagogik in den Niederlanden sehr wenig bis gar kein Material. Jo Groebel äußerte sich zu diesem Thema etwas ausführlicher. Er vergleicht die Situation der Niederlande mit der in Deutschland, um dem Leser einen Anhaltspunkt zu gewähren. Hierbei ist festzustellen, daß sich die Situation in den Niederlanden kaum von der in Deutschland unterscheidet. Dazu haben wir die wichtigsten Punkte herausgesucht und in einer Tabelle dargestellt.

 

NIEDERLANDE DEUTSCHLAND
- wenig etablierte Medienerziehung - wenig etablierte Medienerziehung
- höhere Bereitschaft Eltern über soziale Netzwerke anzusprechen - niedrigere Bereitschaft Eltern über soziale Netzwerke anzusprechen
- Diskussionen über Medienerziehung - Diskussion über Medienerziehung
- optimistische, pragmatische Haltung gegenüber neuen Medien - eher pessimistische Haltung gegenüber neuen Medien
- höhere Selbstverständlichkeit zu Medienerziehung - niedrigere Selbstverständlichkeit zu Medienerziehung
- höhere Medienkompetenz erzielen - höhere Medienkompetenz erzielen
- kein eigenes Unterrichtsfach - kein eigenes Unterrichtsfach

 

 

6.1. Maßnahmen zur Medienerziehung in den Niederlanden

Anhand dieser Tabelle kann man sehen, daß die Niederländer der Medienpädagogik etwas offener gegenüber stehen, als die Deutschen, deshalb gibt es wohl auch mehr Aktivitäten, außerschulische sowie innerschulische, der Niederländer zu medienpädagogischen Themen.

Diese Aktivitäten haben wir auch in einer Tabelle zusammengefaßt, um sie übersichtlicher präsentieren zu können. Es sind zwar jeweils nur zwei Maßnahmen, die Jo Groebel in seiner Schrift aufführt, aber anhand dieser Projekte sieht man, daß etwas unternommen wird.

außerschulisch schulisch
- Stiftung, um die Eltern in die Medienerziehung einzuführen - 10% der Grundschulen (Basisschulen) haben das Fach: audiovisuelles Training Ziel: Bildsprachenverstehen über
  • Kunst
  • Photo
  • Fernsehen

erlernen

- Kooperation mit Medienanbietern
Bsp.: eigener Sender für die NL, der die Programme mit medienerzieherischen Charakter anbietet
- bei 10-12 -jährigen werden die Massenmedien zum Thema unter folgenden Bereichen:
  1. ästhetische Aspekte der Mediensprache
  2. soziale Hintergründe
  3. Kommunikationsleistungen

 

 

7. Forschungsergebnisse aus Fragebögen

7.1 Interview mit Teun Velders

 

1. Wie definieren Sie den Begriff Medienpädagogik in Ihrem Land?
"In der Bundesrepublik Deutschland hat es sich inzwischen durchgesetzt, den Begriff "Medienpädagogik" mit Dieter Baacke als übergeordnete Bezeichnung für alle pädagogisch orientierten Beschäftigungen mit Medien in Theorie und Praxis zu verstehen und einzelne Aspekte der Medienpädagogik näher zu spezifizieren. Solche Aspekte sind dann: Medienerziehung, Mediendidaktik, Medienkunde, Medienforschung."
Ab 1970 entstand in den Niederlanden eine Verbindung zwischen Medienpädagogik und Kunst- und Design-Bildung, auf die wir uns heute noch berufen. Es steht fest, daß die visuelle Kommunikation die Annäherung vorantrieb, weil es eine starke Entwicklung im Gebrauch elektronischer Medien in Lernprozessen gab: Bildungstechnologie. Heutzutage gibt es 2 Strömungen: die visuelle Bildung und die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT), welche sich langsam zu einer harmonischen Einheit verbinden.

2. Welche Ziele verfolgt die Medienpädagogik in Ihrem Land?
Im Moment arbeite ich an der Erstellung eines medienpädagogischen Lehrplans für das Bildungsfernsehprogramm Teleac/NOT.
Das Hauptziel ist natürlich die optimale Nutzung moderner Medien im Lernprozeß. Weitere Ziele sind:

  • "Sehen" lernen (visuelle Bildung)
  • Medienkompetenz erlangen
  • Information über Medien (Kritik und Auswahl)
  • Medienproduktion in Schulen

Obwohl diese Ziele noch provisorisch sind, kann man erkennen, daß sich Reflexion und Produktion von Medien verbinden lassen.

3. Welche medienpädagogischen Konzepte gibt es in Ihrem Land?
"In der BRD wird innerhalb der Medienpädagogik zwischen mediendidaktischen Konzepten (Lernen mit Medien) und medienerzieherischen Konzepten (Lernen über Medien) unterschieden."
Diese Frage wurde schon bei 2. Beantwortet.

4. Welche medienpädagogischen Projekte gibt es in Ihrem Land?
Momentan gibt es die Projekte PROMMIT (Informations- und Kommunikationstechnologie) und TELEAC / NOT (Medienbildung und visuelle Bildung).

5. In welchen Institutionen werden medienpädagogische Tätigkeiten ausgeübt?
In der Lehrerfortbildung, in Kunstschulen und im Bildungsfernsehen.

6. Von welchen Berufsgruppen werden diese Tätigkeiten ausgeübt?
Von Lehrern aus allen Bereichen und einigen Bibliothekaren.

7. Worin sehen Sie die größten Probleme bei der Realisierung der Medienpädagogik in Ihrem Land?
Faulheit. Ich denke, daß die Lehrer keine Lust haben sich den Umgang mit Medien selbst anzueignen. Sie hätten gern einen kompetenten Computer und Software, die sich problemlos nutzen läßt.

8. Welchen Stellenwert hat Medienpädagogik bei der Ausbildung von Pädagogen in Ihrem Land?
Seit den 70er Jahren ist Medienpädagogik ein Teil des Lehrplans in der Lehrerausbildung.

9. Welche Rolle spielt Medienpädagogik im (nationalen) Lehrplan Ihres Landes?
In den Niederlanden gibt es keinen landesweit einheitlichen Lehrplan, sondern nur eine Empfehlung vom Bildungsministerium. Diese Empfehlung ist Pflicht für die öffentlichen Schulen (30%), aber nicht für die römisch-katholischen (30%), protestantischen (30%) oder anderen Schulen (10%) . Die letzten 3 Schultypen haben ihre eigenen Regeln, die Empfehlung der Landesregierung überbieten. Das Ergebnis ist, daß es verschiedene Zugänge von jeder Institution gibt.

10. Gibt es in Ihrem Land einen Erfahrungsaustausch zwischen Medienpädagogen?
Es gab mediale Ebenen für Lehrerfortbildung und höhere Bildung, aber im Moment sind der Kulturrat und Teleac/ NOT die einzigen Austauschebenen.

11. Gibt es medienpädagogische Kooperationsprojekte zwischen Ihrem und anderen Ländern?
So viel ich weiß eher weniger. Ich persönlich arbeite für die Universität von Northern Iowa (USA) auf verschiedenen Gebieten an einem Doktorandenprogramm für Bildungstechnologie. Ich organisierte das internationale Forschungssymposium für die IVLA (International Visual Literacy Association), auf dem internationale Experten Gastvorträge vor 150 holländischen Teilnehmern hielten. Und außerdem einige kleine Projekte z. B. ECER.

12. Welche Relevanz besitzt Medienpädagogik für Ihr Land?
Diese Frage ist für Politiker. Momentan sagen sie Medienpädagogik ist sehr wichtig, obwohl sie das Wort nicht aussprechen können. Im Gegensatz dazu startete der Kulturrat eine nationale Initiative, weil sie meinen, Medienpädagogik ist höchst relevant für die zukünftige kulturelle und schulische Entwicklung.

13. Bitte geben Sie uns abschließend Hinweise auf grundlegende Literatur zur Medienpädagogik in Ihrem Land!
SOKV (Utrecht) und SLO (Enschede) sind die Organisationen, die relevante Literatur zum Thema anbieten. Am einfachsten ist es Kontakt zur Buchhandlung DAJA (Brederostraat 19, 7552 KA Hengelo NL) aufzunehmen. Sie sind auf Medienpädagogik spezialisiert.

 

7.2. Schulische Fragebögen

"Cees Dam", College Hagefeld

1. Befassen Sie sich im Unterricht mit dem Thema Medien?
Ja

Wenn ja:
2. Seit wann?
Seit mehr als 10 Jahren.

3. Welche AV Medien setzen Sie im Unterricht ein? Wie oft?
Hauptsächlich Videobänder. Alle 14 Tage benutzen wir ein oder mehrere Videos. Außerdem nutzen wir auch noch den Computer mit den regulären Systemen (meistens ohne Sound).

4. Was verstehen sie persönlich unter Medienpädagogik und weshalb interessieren Sie sich dafür?
Ich denke, daß Medienpädagogik sehr anregend ist Prozesse zu erlernen, die mich interessieren. Die Schüler sind dazu aufgerufen, daß sie ihren eigenen Weg finden und ihrem eigenen Tempo arbeiten, was sehr motivierend ist. Das gleiche gilt auch für Eltern und Erwachsene.

5. Beziehen Sie Erfahrungen von Schülern, Kollegen und außerschulischen Institutionen mit Medien in Ihren Unterricht mit ein?
Manchmal korrigieren mich die Schüler im Umgang mit Computern. Manchmal frage ich einen Kollegen zwischen den Unterrichtsstunden, wie er mit einigen Programmen umgeht.

6. Wie reagieren die Schüler auf Mediengebrauch im Unterricht?
Sie genießen es, solange das Programm mit in den Unterricht mit eingebunden ist und solange sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten können.

7. Was haben die Schüler für einen Nutzen vom Mediengebrauch in der Schule?
Ich erklärte es bereits schon, aber ich kann mir vorstellen, daß die Konzentration beeinträchtigt werden kann.

8. Welche Medien setzen Sie aus welchen Gründen besonders gern ein?
Ich benutze den Computer um bestimmte Punkte zu bearbeiten. Es läßt sich sehr gut in Sachen Kommunikationsprozessen mit anderen Schulen oder Instituten zusammenarbeiten. Videobänder sind sehr nützlich, um einige Beispiele oder Lehrsätze aufzuzeigen, die nicht so leicht zu verstehen sind, wenn man sie sich selbst erarbeiten soll, oder die eine Menge Stunden zur Vorbereitung benötigen.

9. Hat Ihre Arbeit mit Medienpädagogik ihren sonstigen Unterrichtsstil, sonstige Lehrinhalte beeinflußt oder überraschende Erfahrungen gezeigt?
Ja, ich bin immer und immer mehr darauf angewiesen. Außerdem ist das Maß an selbständiger Arbeit bei den Schülern gestiegen.

10. Gibt es noch etwas, was Sie abschließend sagen möchten?
Nach meiner Meinung sollte jedes Individuum in nächster Zukunft unbegrenzten Zugang zu Multimedia bekommen, denn es ist in nächster Zeit nötig.

Ubbo Emmius, Scholengemeenschap Winschoten

 

1. Befassen Sie sich im Unterricht mit dem Thema Medien?
Die Frage ist, was meinst du mit Medien? Wir nutzen eine Menge verschiedener Medienarten in unserem Unterricht, z.B. Fernsehen, Computer, Overhead- Projektor, Dias, etc.

Wenn ja:

2. Seit wann?
Immer!

3. Welche AV Medien setzen Sie im Unterricht ein? Wie oft?
Wie oft, kommt auf die Umstände und die Klasse an, z.B., wenn ich Informatik unterrichte, benutze ich die ganze Zeit den Computer. Für Mathe benutze ich ihn gelegentlich.

4. Was verstehen sie persönlich unter Medienpädagogik und weshalb interessieren Sie sich dafür?
Wir benötigen sie für eine Menge Dinge, besonders den Computer.

5. Beziehen Sie Erfahrungen von Schülern, Kollegen und außerschulischen Institutionen mit Medien in Ihren Unterricht mit ein?
Sicher!

6. Wie reagieren die Schüler auf Mediengebrauch im Unterricht?
Bessere Motivation!

7. Was haben die Schüler für einen Nutzen vom Mediengebrauch in der Schule?
Schwer zu sagen, vielleicht profitieren 10-20% davon!

8. Welche Medien setzen Sie aus welchen Gründen besonders gern ein?
Overhead zur Beantwortung von Fragen, Computer für graphische Darstellungen (Mathe)

9. Hat Ihre Arbeit mit Medienpädagogik ihren sonstigen Unterrichtsstil, sonstige Lehrinhalte beeinflußt oder überraschende Erfahrungen gezeigt?
Nicht wirklich, ich habe es jeder Zeit versucht einzusetzen.

10. Gibt es noch etwas, was Sie abschließend sagen möchten?
Die Nutzung des Computers sollte vorangetrieben werden, wenn uns nur die holl. Regierung etwas mehr Geld zur Realisation der Nutzung geben würde. Wir benutzen jetzt 3/86 und 4/86, komplett veraltet.

 

7.3. Auswertung

Wir haben insgesamt 110 Fragebögen per Email und Fax an niederländische Schulen verschickt, davon wurden zwei beantwortet. Wir fassen die Fragebögen kurz zusammen, die auch in einer Übersetzung vom Englischen ins Deutsche beigefügt sind. Leider können wir zu keinem aussagekräftigen Ergebnis gelangen, da zwei beantwortete Fragebögen nicht repräsentativ für alle Schulen der NL sind.

Zusammenfassung:

Auffällig ist, daß unterschiedliche Auffassungen vom Medienbegriff bei allen Testpersonen existieren. Für einige sind AV- Medien nur Computer und Videos, für andere gehört auch der Overhead-Projektor, das Fernsehen und Dias dazu. Die Tafel, die in der Schule das Hauptmedium ist, scheint nicht zur Auffassung von dem Begriff "Medien" zu gehören, oder sie ist so selbstverständlich geworden, daß sie nicht mehr erwähnenswert ist.

Anhand der Fragebögen wird deutlich, daß diejenigen, die sie beantwortet haben schon lange bewußt mit Medien arbeiten und versuchen dadurch den Unterricht interessanter zu gestalten und mit deren Hilfe das Lernen zu erleichtern. Diese Prognose läßt vermuten, daß die Lehrer, die den Fragebogen nicht beantwortet haben kein Interesse an AV- Medien haben, bzw. diese noch nicht bewußt einsetzen.

Der Computer wird bei den Beispielen hauptsächlich für den Informatik- und Mathematikunterricht eingesetzt, um Programme, Prozesse und graphische Darstellungen besser darstellen zu können. Außerdem wird er als Kommunikationsmedium (Emailkontakt zu anderen Institutionen, Internet) genutzt.

Videos werden zur Vereinfachung von Lehrsätzen eingesetzt, was für den Lehrer einen geringeren Arbeitseinsatz und für die Schüler ein schnelleres und besseres Lernen bedeutet.

Der Overhead-Projektor dient zur Beantwortung von Fragen.

Diese Medien werden je nach Bedarf in mehr oder weniger geringen Abständen im Unterricht eingesetzt, auch spielen die Schüler eine Rolle, ob sie Interesse zeigen oder nicht.

Der Umgang mit diesen Medien wirkt hauptsächlich motivierend auf Schüler und soll ihnen zur Selbständigkeit verhelfen. Zu kritisieren wäre vielleicht, daß sie bei zu häufigem Gebrauch die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Außerdem ist einer der Befragten der Meinung, daß nur 10-20% der Schüler einen Nutzen davon tragen würden.

Durch den Umgang mit diesen AV- Medien tritt eine Verständigung zwischen Lehrern untereinander sowie zwischen Lehrern und Schülern ein. Die Lehrer helfen sich untereinander, um mit Computerprogrammen umgehen zu können. Die Schüler korrigieren auch die Lehrer im Umgang mit Computern, was für beide Parteien sehr hilf- und lehrreich ist.

Am Ende wird dafür plädiert, daß jeder unbeschränkten Zugang zu Multimedia haben sollte, was zur Folge hätte, daß die niederländische Regierung gerade in den Schulen mehr Geld für diese Dinge ausgeben sollte, denn Multimedia ist die Zukunft. Wir werden immer mehr darauf angewiesen sein.

 

8. Weiteres Vorgehen

Da unsere bisherigen Studien noch nicht ausreichend waren, um umfassend etwas über die Medienpädagogik in den Niederlanden aussagen zu können, werden wir noch weitere Forschungen anstellen. Wir versuchen, möglichst viele Adressen von staatlichen niederländischen Schulen ausfindig zu machen. An diese werden wir dann unseren Fragebogen in Form von Faxen oder E-Mails zusenden und auf Antwort hoffen.

Des weiteren versuchen wir die schon beschriebenen medienpädagogischen Institutionen und Gruppen zu kontaktieren, um aktuelle Informationen zu erhalten.

Die Auswertung der Fragebögen und die neuen Daten und Informationen werden dann an dieser Stelle veröffentlicht.

 

 

9. Literatur

 

Bubenik, A.: Medienarbeit in den Niederlanden (III), in : medium 9/76, S. 30-36

Breuer-Liersch, G.H.: Praktische Medienarbeit in den Niederlanden, in: Hüther/Breuer/Schorb (Hg.): Neue Texte Medienpädagogik, Jahrbuch für Forschung und Praxis, München 1979, S. 99-105

Groebel, Joe: Medienpädagogik in den Niederlanden, in: Medienkompetenz im Informationszeitalter.

1. Fachtagung des Forums Medienpädagogik der BLM, zusammengefaßt und redaktionell bearbeitet von Jonathan Fischer, erstellt im Auftrag der Bayrischen Landeszentrale für neue Medien, München, August 1996 (BLM-Schriftenreihe Bd. 36, München 1996, S. 79-83)

 

E-Mail und Internetadressen:

Teun.Velders@rhij.nl

www.internetcollege.nl/scholen/scholen.html


Aktualisiert am 25. Februar 1999