Medienpädagogik in der EU


von:
Cord Wilhelm Kiel


Gliederung:


0. Übersicht der angeschriebenen und angesprochenen Personen und Institutionen

Angeschrieben wurden:

Informationsbüro des Europäischen Parlaments
Bundeskanzlerplatz
53113 Bonn
Tel: 0228-914300
Fax: 0228-218995

Europäische Kommission
Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland
Zitelmannstr. 22
53113 Bonn
Tel: 0228-530090
Fax:0228-5300950

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
Referat 121: EU-übergreifende Fragen, FuT-Politik der EU
Heinemannstr.2
53175 Bonn
Postfach 200240
53170 Bonn

Europäische Bewegung Deutschland e.V.
Europa-Zentrum
Bachstr. 32
53115 Bonn
Postfach 1929, 53005 Bonn)
Tel: 0228-7290060
Fax: 0228-693222

Europa-Union Deutschland e.V.
Bachstr. 32
53115 Bonn
(Tel und Fax wie oben)

Europäische Kommission GD XII/H (gesellschaftspolitische Schwerpunktforschung: Wissenschaftspolitik, allg. und berufliche Bildung)
Ansprechpartner: Klaus Draxler
200, Rue de la Loi
B-1049 Brüssel

Universität Hannover (EU Innovation-Relay Centre)
Dr. Hans Schroeder
Welfengarten 1 b
30167 Hannover

Mit folgenden Personen wurden Gespräche geführt:

Erika Mann, MdEP
Odeonstr. 15/16
30159 Hannover

JEF Deutschland, Bundesvorsitzender Heinz Schaumann

Ugo Ferruta, Präsident der JEF Europa, Jurist bei der Europäischen Bewegung in Brüssel)

Europa-Union Niedersachsen, Vorsitzender Dr. Josef Ackermann

Walter Obrock, Landesgeschäftsführer der Europa-Union Niedersachsen

Reinhard Burdinski, Beauftragter für den Europäischen Schulwettbewerb in der Europa-Union Niedersachsen

Folgende Institutionen wurden persönlich aufgesucht:

Geschäftsstelle der Europa-Union Niedersachsen, Breite Straße 15, 30159 Hannover

Bundessekretariat der Europäischen Bewegung Deutschland, Bachstr. 32, 53115 Bonn

Europa-Parlament (Okt 1997), Brüssel

Europ. Kommission (Okt 1997), Brüssel

Europa-Büro der Uni Hannover, Welfengarten 1b, 30167 Hannover

1. Warum "Medienpädagogik in der EU"?

"Europa" ist heute zu einem Stichwort mit vielerlei Bedeutung geworden: Nicht nur ein Kontinent, eine Ansammlung von Staaten und Kulturen oder sogar eine Identität ist gemeint, sondern auch ein politischer Prozeß sowie eine politische Organisation. Ob "Euro", Europäische Union (EU) oder EG - der Begriff oder Gedanke ist überall präsent und zeigt, daß der geplante europäische Einigungsprozeß nur noch sehr schwer aufzuhalten ist.

Im Zuge dieser europäischen Einigung wird deutlich, daß in vielen Bereichen (z.B. der Wirtschaftspolitik, der Umweltpolitik, der Verbrechensbekämpfung) europäische Institutionen Kompetenzen von einzelnen Mitgliedsländern übernehmen. In vielen Bereichen entwickelt die EU eigene Konzepte, die vielfach auch in ganz Europa durchgesetzt werden sollen (z.B. EUROPOL, der Vertrag von Maastricht oder auch die einheitliche Währung, der "Euro").

Zudem bietet die EU gerade auf dem Bildungssektor eine Vielzahl von Programmen (z.B. Socrates, Leonardo, Jugend für Europa etc.) an, die oft auf den Bildungssektor und damit die Pädagogik zugeschnitten sind und die - durch Austausch von Schülern, Studenten, Lehrern, Wissenschaftlern, ja selbst Handwerkern und Arbeitnehmern - die europäische Einigung weiter vorantreiben sollen. Zu diesen reinen Austauschprogrammen kommen außerdem ebenso zahlreiche Forschungs- und Förderprogramme. Des weiteren unterstützt die EU viele Einrichtungen sowohl organisatorisch als auch finanziell - als ein Beispiel aus dem Bereich der Medien sei hier der Fernsehsender ARTE, eine von der EU geförderte deutsch-französische Kooperation, genannt.

Angesichts dieser vielfältigen Programme und Förderaktionen stellt sich die Frage, ob nicht nur einzelne EU-Länder, sondern auch die EU als politische Organisation medienpädagogische Konzepte erarbeitet hat, nach denen diese Programme durchgeführt werden. Oder gibt es Konzepte und Ideen, die in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich betriebene Medienpädagogik zu vereinheitlichen, um sozusagen ein einheitliches medienpädagogisches Konzept zu verwirklichen? Denn die EU verfügt ohnehin über so viele Ämter und Behörden (bei der Europäischen Kommission beispielsweise arbeiten allein 1600 Beamte!), daß die EU in vielen Dingen schon wie ein Staat arbeitet und organisiert ist. Man könnte also annehmen, daß es auch in der Europäischen Union medienpädagische Konzepte gibt.

Im Grunde genommen ist eine einheitliche Medienpädagogik in ganz Europa sogar wünschenswert, wenn nicht gar notwendig, da Medien in der heutigen Zeit immer bedeutender werden und mit der europäischen Einheit auch viele medienbezogene Dinge (Unterricht, TV, Internet etc.) einheitlicher werden müßten. Sollte es keine einheitlichen pädagogischen (und damit auch medienpädagogischen) Konzepte geben, droht die Chancengleichheit innerhalb der EU auf der Strecke zu bleiben.

Ein wichtiger Punkt sollte ferner nicht vergessen werden: Mit dem Internet haben wir heute schon ein Medium, das weltweit in allen Ländern einheitlich funktioniert. Zwar gibt es noch kleine eigene Ländernetze in vielen Staaten, das Internet und damit verbunden auch die Möglichkeit, E-Mails zu senden, funktioniert aber überall gleich. Weil gerade die Institution EU schon sehr viel mit dem Internet arbeitet und viele Behörden und Institutionen besonders im Internet ausführlich darstellt, und weil Medien allgemein innerhalb der EU sehr wichtig sind, ist es besonders interessant, ob innerhalb der EU eigene medienpädagogische Konzepte existieren.

Aus dem eben erwähnten Grunde muß für diesen Bericht vor allem das Internet als Hauptquelle herhalten - an publizierter Literatur gibt es über das Thema "Medienpädagogik in der Institution EU" praktisch nichts. So gesehen ist dieser Bericht an sich schon ein Hinweis auf die medienpädagogischen Konzepte innerhalb der EU: ein Hinweis auf die immer mehr zunehmende Bedeutung des Internet als Informations- und Weiterbildungsmedium.

2. Vorgehens- und Arbeitsweise innerhalb des Projekts

Neben den bereits unter 1. erwähnten Gründen für eine Beschäftigung mit dem Thema "Medienpädagogik in der EU" gab es in diesem Falle auch ein starkes persönliches Interesse durch die langjährige Mitgliedschaft des Verfassers dieses Berichtes in der Europa-Union und deren Jugendorganisation Junge Europäer (JE). Sowohl Europa-Union (abgekürzt ebenfalls EU, der Übersichtlichkeit wegen in dieser Arbeit aber immer ausgeschrieben) als auch JE sind überparteiliche Organisationen (die Namensähnlichkeit mit einer gewissen Partei ist also rein zufällig), die die Bevölkerung über "Europa" informieren, Bildungsreisen organiseren und sich - mit dem Ziel der Schaffung eines föderalen Europa - auch in aktuelle Fragen der Europapolitik einmischen.

Da die Europa-Union Niedersachsen in Hannover eine mit Informationsmaterialien sehr gut ausgerüstete Geschäftsstelle in der Breiten Straße unterhält, war die Arbeit innerhalb dieses Projektes von vornherein zweigleisig gedacht: Einerseits sollten mittels Anschreiben und der Verschickung der Fragebögen die wichtigsten Institutionen innerhalb der EU direkt angeschrieben werden; andererseits sollten aber auch persönliche Kontakte sowie eine intensive Recherche in der Geschäftsstelle der Europa-Union zu Ergebnissen führen.

Von großem Erfolg gekrönt waren allerdings beide Vorgehensweisen letztendlich kaum. Die Briefe und Anfragen brachten insgesamt nur drei Antworten, wobei nur eine Antwort mit beigefügten Informationen über Programme des Socrates-Programms wirklich verwertbar war. Von den Fragebögen des Projektes wurde nicht ein einziger ausgefüllt zurückgesandt.

Die Recherche in der Geschäftsstelle der Europa-Union in Hannover förderte viele Adressen von europäischen Institutionen oder Abgeordneten zutage, aber auch viel Verwirrung. Denn die Angestellten in der Geschäftsstelle hatten noch nie etwas von "Medienpädagogik" gehört und konnten auf Anfragen hinsichtlich dieses Themas nur mit Schulterzucken antworten.

Mit vielen Bekannten in den Organisationen Junge Europäer/Junge Europäische Föderalisten (JEF) und Europa-Union wurden anschließend persönliche Gespräche geführt, meistens allerdings ergebnislos - der Begriff "Medienpädagogik" scheint offenbar nur Pädagogen etwas zu sagen. Immerhin brachten diese Gespräche allerdings hervor, daß es in der EU eine Vielzahl von pädagogischen (Austausch-) Programmen und Aktionen gibt. Beispiele sind die zahlreichen Arbeits- und Studienprogramme (Socrates, Leonardo, Comenius etc.) oder der europäische Schulwettbewerb, der jährlich tausende von Schülern in ganz Europa ermutigt, auf lyrische oder malerische Art Europa darzustellen.

All diese Programme sind zwar sehr umfangreiche pädagogische Programme, sie sind aber nicht direkt Programme zur Medienpädagogik - Medien spielen zwar immer eine Rolle (Bilder und Gedichte wie beim Schulwettbewerb sind ja Medien), aber diese Programme haben allesamt nicht die Medienpädagogik zum Inhalt. Erst recht beinhalten diese Programme keine medienpädagogischen Konzepte - ein Konzept kann höchstens darin erkannt werden, durch so viele Bildungsprogramme wie möglich Menschen mit den verschiedensten Medien und ihrer Nutzung in den einzelnen Ländern vertraut zu machen. Aber daß mit diesen Programmen einheitliche oder neue medienpädagogische Konzepte zu erreichen sind, kann sicherlich nicht behauptet werden.

Neben den persönlichen Gesprächen wurden auch Institutionen und Einrichtungen aufgesucht. Dazu gehören das Europa-Büro der Unsiversität Hannover (in einem kleineren Haus rechts des Hauptgebäudes der Universität untergebracht), Institutionen der Europa-Union, der Europäischen Bewegung Deutschland und der JEF Deutschland in Bonn und - auf einer Studienreise Anfang Oktober 1997 sogar EU-Kommission und -Parlament in Brüssel.

Da aber sowohl die Anschreiben als auch die persönlichen Besuche und Gespräche nicht den gewünschten Erfolg brachten, blieb letztendlich noch Internet als Informationsmedium. Hier brachte die Suche endlich konkretere Ergebnisse zutage - beispielsweise berichtet ein von der EU-Kommsission eingesetzter Club Media hier ausführlich von seiner Tätigkeit und von dem Programm MEDIA.

3. Ergebnisse und Schwierigkeiten der Recherchen

a) Briefe und Schreiben

Leider brachte diese, eigentlich wichtigste Form der Recherche kaum sichtbare Ergebnisse. Von insgesamt zehn verschickten Anschreiben inkl. Fragebögen wurden nur drei beantwortet, wobei kein einziger Fragebogen ausgefüllt zurückgesendet wurde.

Diese insgesamt sehr magere Ausbeute legt als Schluß nahe, daß seitens der EU-Institutionen kaum Interesse für ein Projekt wie dieses vorhanden zu sein scheint. Eine derart geringe Ausbeute auf ein offizielles Anschreiben ist selbst für die oft als überbürokratisiert geltende EU miserabel. Erschwerend kommt noch hinzu, daß die Institutionen, die antworteten, bis auf eine völlig unmotivierte Kurzbriefe sandten, die darauf schließen lassen, daß es keine medienpädagogische Konzepte innerhalb der EU, aber auch kein Interesse an solchen oder ihrer Erforschung gibt. Vielfach entstand die Vermutung, daß nur schnell geantwortet wurde, um sich des Themas zu entledigen, ohne wirklich sich intensiv damit zu befassen.

Weiterverweise, die in den Antwortschreiben empfohlen wurde, brachten überhaupt keine brauchbaren Ergebnisse. Weder die Europäische Akademie in Berlin noch das Jugendfernsehen des Bayerischen Rundfunks (!) konnten andere oder sogar weiterführende Hinweise geben. Interessanterweise empfahl eine angeschriebene Institution, das Bundesbildungsministerium, "die Kultusministerien aller 15 Mitgliedsstaaten anzuschreiben". Bei einem derartigen Wortlaut wird klar, daß entweder die Projektanfrage völlig falsch verstanden oder die Anfrage gar nicht gründlich durchgelesen wurde.

Ein Antwortschreiben, nämlich das der EU-Kommsision, kam zwar verhältnismäßig spät, brachte aber immerhin brauchbare Materialien zutage: Eine Beschreibung des EU-Socrates-Programms sowie eine Broschüre "Studieren in Europa". Wörtlich wird in dem Brief berichtet: "Für den Bereich der Allgemeinen Bildung hat die Europäische Union das Förderprogramm SOCRATES aufgelegt, mit dem bestimmte Aktivitäten der zusammenarbeit zwischen Mitgliedsstaaten im Schul- und Hochschulbereich gefördert werden. (...) Es kann durchaus sein (-> Genaues weiß man nicht), daß unter den Projekten, für die im Rahmen von SOCRATES Fördermittel beantragt worden sind, eines ist, das Medienpädagogik betrifft". Die beiliegende Liste bietet einen einen guten Überblick über diese Projekte, von denen aber offensichtlich keines medienpädagogische Konzepte beinhaltet.

Ähnlich wie mit SOCRATES verhält es sich mit den zahlreichen weiteren EU-Förderprogrammen wie LEONARDO und JUGEND FÜR EUROPA. SOCRATES faßt alle Aktionen im Bereich der allgemeinen Bildung zusammen und führt das Studenten-Austauschprogramm ERASMUS fort. LEONARDO ist das EU-Programm für den Bereich der beruflichen Bildung, JUGEND FÜR EUROPA operiert - unabhängig von Ausbildung und Herkunft der Teilnehmer - außerhalb des Rahmens von Schule und Universität. Weiterhin gibt es auf EU-Ebene noch zahlreiche Forschungs- und Technologieprogramme sowie eine Reihe von Praktika in den verschiedensten Bereichen. (Nähere Informationen zu den Programmen können der beiliegenden, zwar nicht mehr ganz aktuellen, aber sehr gut aufbereiteten Broschüre "Studieren in Europa" entnommen werden.) Allen Programmen ist für die Fragestellung dieses Projekts jedoch eins gemeinsam: Diese Programme sind Bildungseinrichtungen und beziehen auch Mediennutzung oftmals ein, sie beinhalten aber keinerlei medienpädagogische Konzepte der EU. Ein Blick auf das in der Broschüre "Studieren in Europa" auf den Seiten 28ff. beschribene Forschungsrahmenprogramm läßt jedoch aufhorchen: Die Übersicht (S. 29) zeigt drei Programme mit Medienbezug: Die Programme "Telematikanwendungen", "Kommunikationstechnologien und -dienste (ACTS)" und "Informationstechnologien". Inwiefern neben medienbezogenen Technologien in diesen Programmen auch medienpädagogische Konzepte entwickelt werden, war bisher leider nicht herauszufinden. Insgesamt zeigen diese vielen Programme jedoch, daß Mediennutzung und Medieneinsatz eine wichtige Rolle in den Programmen der EU spielen und daß damit die EU ein nicht gerade geringes Interesse am Thema "Medien" zu haben scheint.

Eine Nachfrage bei der im Brief der Kommission erwähnten "Fondation Europeenne de la Science" brachte bisher keine Ergebnisse, vielleicht aber auch aufgrund der mangelnden Kenntnis der französischen Sprache innerhalb dieser Arbeitsgruppe. Vom Bundesbildungsministerium wurde das Buch "Medienpädagogik in der EU" von Bernd Schorb geschickt. Sicherlich eine lobenswerte Sache, das Buch beizufügen, aber auch nicht direkt in der vorliegenden Fragestellung weiterhelfend, da dieses Buch - ebenso wie die meisten anderen in der Literaturliste angeführten Publikationen - eher Medienpädagogik in den einzelnen EU-Ländern miteinander vergleicht.

b) persönliche Anfragen

Persönliche Anfragen und Gespräche bei Einzelpersonen und Institutionen brachten leider die am wenigsten verwertbaren Ergebnisse. In diesen Gesprächen wurde vielfach Unwissen darüber, was eigentlich Medienpädagogik ist oder an wen man sich zur Erforschung der vorliegenden Probleme am besten wenden könnte, deutlich.

Meistens wurde an andere Institutionen und Personen weiterverwiesen, die jedoch auch nicht mehr wußten und dann wiederum an andere Personen/Institutionen verwiesen etc.

Konkret gefragt wurden:

i.) Der Landesvorsitzende der Europa-Union Niedersachsen: Wußte zwar, was Medienpädagogik ist, glaubte aber nicht, daß sich irgendeine der EU-Institutionen damit beschäftigt und daß es EU-Konzepte in diesem Bereich gibt;

ii.) der Schulobmann der Europa-Union Niedersachsen: Berichtete über den Schulwettbewerb und die Austauschprogramme, ihm waren aber keine medienpä- dagogischen Konzepte innerhalb der EU bekannt;

iii.) der Bundesvorsitzende der JEF: Ihm war das Thema "Medienpädagogik" weitestgehend unbekannt, glaubte nicht daran, daß es einheitliche Konzepte bereits in der EU gibt;

iv.) diverse Europa-Abgeordnete: Wollten sich "erkundigen", haben aber bis heute kein Ergebnis mitgeteilt;

v.) der Stellvertretender Landesvorsitzender der Europa-Union Niedersachsen: Berichtete über die Förder- und Austauschprogramme der Kommsission, konnte aber außer Infobroschüren auf keine verwertbare Literatur hinweisen, meinte, man solle die Kommission direkt ansprechen;

vi.) der Präsident der JEF Europa: Kennt das Problem und wußte viel über die einzelnen EU-Programme zu berichten, ihm waren aber keine medienpädagogischen Konzepte bekannt; er fügte hinzu, daß es in der 50jährigen Geschichte der euro- päischen Einigungsbewegung solche Konzepte irgendwann einmal entwickelt worden sein müßten, die aber vielleicht in irgendwelchen Akten verstaubt und auf normalem Wege nicht zugänglich sind. Er will der Frage weiter nachgehen.

Insgesamt brachte diese Vorgehensweise also nur sehr wenige Ergebnisse. Einziger konkreter Anhaltspunkt war der Hinweis auf die EU-Kommission, die meisten Gesprächspartner äußerten außerdem, daß sie nicht glaubten, daß es einhaltliche medienpädagogische Konzepte in der Europäischen Union gibt. Im Zuge der europäischen Vereinigung gäbe es ohnehin viel wichtigere Probleme, die gelöst werden müßten, so die fast einhellige Meinung. Gleichzeitig wurde aber die prinzipelle Notwendigkeit, auch bezüglich medienpädagogischer Konzepte eine einheitliche EU-Richtlinie zu haben, betont.

c) Besuch von Institutionen

Ähnlich wie bei den persönlichen Gesprächen und Kontakten verhielt es sich auch beim Besuch von einzelnen Einrichtungen und Institutionen. Auch diese Art der Recherche konnte kaum greifbaren Ergebnisse hervorbringen, da auch in diesem Falle vielfach Unwissen oder/und Desinteresse vorlag. Erstaunlich ist aber allemal, daß die EU-Kommission in Brüssel ein teures Informationsbüro unterhält, dort aber nur allgemeingültige Informationen ohne konkreten Bezug auf Einzelheiten anbietet.

Konkrete Besuche und Ergebnisse:

i.) Geschäftsstelle der Europa-Union Niedersachsen: Die Recherche brachte viele Adres- sen und Informationsmaterial hervor, leider aber kein Material über Medienpädagogik, selbst Berichte aus verschiedenen EU-Landesverbänden der letzten 15 Jahre enthielten keine Hinweise auf medienpädagogischen Konzepte;

ii.) EU-Kommission, Brüssel: Ein großzügiges Informationsbüro enthielt nur allgemeine Info-Broschüren, für genauere Auskünfte hatten Bedienstete keine Zeit;

iii.) Europaparlament, tagte ebenfalls in Brüssel: Ist für solche Fragen "nicht zuständig";

iv.) Bundeszentrale der Europa-Union, der JEF und der Europäischen Bewegung Deutsch- lands, Bonn: Ist zur Zeit personell erheblich unterbesetzt, daher kaum Zeit, sich mit sol- chen Fragen zu beschäftigen, verwies auf die Kommission, Internet und Infobroschü- ren, z.B. das Magazin "Studieren in Europa";

v.) EU-Infomobil, machte am 18. Juni 1997 vor der Hauptmensa in Hannover Station: Es gibt viele Infos über die zahlreichen Austausch- und Fortbildungsprogramme, aber keine Literatur über Medienpädagogik bzw. Auskünfte über medienpädagogischen Konzepte;

vi.) Europa-Büro der Universität Hannover: Beschäftigt sich ausschließlich mit den Bil- dungs-und Austauschprogrammen. Medienpädagogische Konzepte waren selber nicht bekannt, es wurde die Existenz solcher Programme vermutet und ein Hinweis gegeben auf EU-Akten, die jedoch nicht zu bekommen waren.

Insgesamt konnten also durch die persönlichen Kontakte und Besuche die am wenigsten konkreten Ergebnisse erzielt wurde. Vielfach wußten die Ansprechpartner einfach nichts mit dem Begriff "Medienpädagogik" anzufangen, bei Erklärung dieses Terminus wurden zwar meistens Ratschläge gegeben, an wen man sich wenden solle, aber kaum konkrete Aussagen und Ergebnisse geliefert.

Die bereits erwähnte Studienreise nach Brüssel brachte allerdings doch ein Teil-Ergebnis hervor: In Brügge gibt es eine europäische Akademie, die von der EU gefördert wird. Seit seiner Gründung 1949 bereitet das "Europakolleg Brügge" Hochschulabsolventen in einem praxisorientierten Aufbaustudium auf Tätigkeiten mit europäischen Bezügen in Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden vor. Pro Jahr bekommen die mittlerweile 250 Studenten aus 30 west- und auch osteuropäischen Staaten ein umfangreiches Kursangebot zu allen Aspekten der europäischen Einigungspolitik in den Fächern Ökonomie, Recht, Politik/Verwaltung sowie Personalmanagement vermittelt. Diese Akademie ist damit zwar auch kein medienpädagogisches EU-Konzept, aber eine EU-Einrichtung, in der indirekt (d.h. im Lehralltag) wohl auch Medienpädagogik betrieben wird.

All die bisherigen Punkte der Recherche legten jedoch die Annahme nahe, daß es keine medienpädagogischen Konzepte innerhalb der Institution EU gibt. Dank des Internet konnte aber doch noch zumindest ein EU-Forum gefunden werden, in dem Medienpädagogik diskutiert wird.

d) Internet

Dieses Forum ist der "Club Media", eine ursprünglich französische Institution, die über medienpädagogische Fragen innerhalb der EU debattiert.

Der "Club Media" ist zwar seit dem 2. Juli 1996 aufgelöst, im Internet finden sich unter INA Programme MEDIA und der Adresse http://www.club-media.fr/INA/Media/indexfr.html/ aber nach wie vor Informationen über die Tätigkeiten dieser Einrichtung. Leider ausschließlich französischsprachig (und somit mangels Kenntnissen dieser Sprache in dieser Projektgruppe nur sehr schwer zu erschließen), wird auf der Internetseite Folgendes berichtet:

Der Club wurde auf Initiative des EU-Programms MEDIA ins Leben gerufen und vereint europäische Unternehmungen öffentlicher und privater, industrieller, finanzieller Natur sowie Fernsehanstalten und Kommunikationsgruppen (eine genauere Auflistung ist auf dem beigefügten Ausdruck zu finden). Der Club will die Produktion audiovisueller Programme und neuer Informationstechniken entwickeln und promoten.

Vom Club Media ausgehend, führt die Suche schnell zum INA Programme Media, zu finden unter http://www.ina.fr. INA steht für "Institut National de´l Audiovisual", eine ebenfalls französische Einrichtung, die jedoch das EU-Programm MEDIA konzeptionell unterstützt. Auf der INA-Homepage finden sich Konzepte bezüglich des EU-Programms MEDIA II. Diese Konzepte teilen sich in drei Bereiche auf:

1) Marketing: Internettext: To consider audio-visual, cinema and multimedia producti- on as a European and international market;

2) Praktische Umsetzung: to master elements of European audio-visual law required for drawing up contracts within the framework of European co-productions

3) Neue Technologien: to identify and evaluate the range of technical choices on offer for the making of audivisual/multimedia products.

Durch Konferenzen, Analysen/Fallbeispiele und Simulationen sollen außerdem internationale Kontakte hergestellt werden. Das INA arbeitet eng mit dem EU-Programm MEDIA zusammen und stellt auf seiner Internetseite auch Aktivitäten vor, die von diesem Programm unterstützt werden. Zu diesen Aktivitäten gehören:

- der "New Talent Pavillion - Milia ´98 (http://www.milia.com);

- Jobs and on-the-job-training exchange on internet;

- where to get multimedia training in Europe;

- INA Formations supported by Media Programme II

sowie der bereits erwähnte "Club Media".

Die INA-Webpage verweist auch direkt weiter auf die Media-Page der EU-Kommission.Unter http://www.europa.eu.int./eu/comm/dg10/avpolicy/media/en/home-m2.html findet sich folgende Information über dieses für die Medienpädagogik wohl wichtigste EU-Programm: Taking over from the MEDIA 95 programme, the MEDIA II Programme, adopted for a period of five years (1996-2000), aims at promoting and developing the European audiovisual programme industry. It focusses on three priority areas:

a) training of European professionals

b) development of production projects

c) transnational distribution of European films and TV programmes.

Neben diesen drei "Hauptfeldern" gibt es 20 "Action Lines", auf die später noch näher eingegangen wird. Generell wird auch hier immer wieder betont, daß internationale (europäische) Medien-Aktionen und -Partnerschaften unterstützt werden sollen.

Die Internet-Homepage des MEDIA II-Programms verweist außerdem auf weitere Internet-Links sowie ähnlich arbeitende Institutionen. Dies sind allerdings fast durchweg nationale oder europäische Sendeanstalten, die untereinander eigene Medienprojekte entwickeln und durchführen. Eine Ausnahme gibt es aber doch: Den Hinweis auf das INFO 2000-Programme, das momentan zwar noch nicht praktisch umgesetzt wird, das aber in Zukunft, so der Text im Internet, weitere Medienprogramme und -konzepte durchsetzen soll: INFO 2000 aims at stimulating the emerging multimedia content industry, to recognize and exploit new business opportunities. Central theme is the development of a European information content industry, capable of competing on a global scale and able to satisfy the needs of Europe´s enterprises and citizens for information content, leading, on the one hand, to economic growth, competitiveness and employment, and, on the other hand, to individual, professional, social and cultural development.

Die MEDIA II-Homepage bietet allerdings auch eine Kategorie "Media II-Training", in der wir erstmals medienpädagogische Konzepte und Richtlinien der EU finden. Unter der bereits erwähnten Rubrik "20 Action Lines" werden Rahmenrichtlinien und pädagogische Hintergründe dieses Programms dargestellt. Um nicht die gesamten Richtlinien nur nachzuschreiben, sind im Folgenden Originalausdrucke dieser Webpage aus dem Internet beigefügt. Diese "Action Lines" sowie die zahlreichen Projekte des MEDIA-Programmes zeigen, daß es doch medienpädagogische Konzepte in der EU gibt.

(Anlage: Internet-Ausdruck)

e) das Thema in Literatur und Publikationen

Wie bereits in den vorangegangenen Kapiteln erwähnt, wird das Thema "Medienpädagogik in den einzelnen Ländern der EU" oft abgehandelt. Über diesen Themenbereich gibt es es eine große Menge an Literatur, oftmals auch sogar mit vergleichendem Charakter. Ferner scheint es - wie es auch die praktische Arbeit unseres Projekts gezeigt hat - auch oftmals internationale Konferenzen zu diesem Thema zu geben.

Zwei unmittelbar vorliegende Werke, die "Medienpädagogik in Europa" (Masterman 1991) bzw. "Medienerziehung in Europa" (Schorb 1992) betitelt sind, beschäftigen sich zwar mit zahlreichen Aspekten der Medienpädagogik wie sie im gesamten Europa oder in einzelnen Ländern betrieben wird, aber sie geben keinerlei Hinweis auf medienpädagogische Konzepte in der EU als Institution.

Auch die allgemeinen Informationsbroschüren, die von der Europäischen Kommission, dem Parlament oder anderen EU-Stellen herausgegeben werden, beschäftigen sich in keinster Weise mit diesem Problem. Es gibt zwar allgemein gehaltene Broschüren über jedes Thema, aber nicht über Medienpädagogik. Alles, was suich an Materialien auf "Bildung" oder "Pädagogik" bezieht, steht im Zusammenhang mit den EU-Austauschprogrammen.

4. Resümmee und Ausblick

Die unter 3.) angeführten Ergebnisse zeigen die Schwierigkeit des Problems und der Fragestellung: Die EU unterstützt sehr wohl viele Programme und Einrichtungen (vgl. z.B. auch ARTE), aber sie hat bisher nur wenig richtungsweisende medienpädagogischen Konzepte mit der Schaffung von Richtlinien für die einzelnen europäischen Länder entwickelt. Ausnahme ist das oben beschriebene MEDIA-Programm, das solche Konzepte zeigt. Aber: Diese Konzepte dienen auch eher der Umsetzung eines Programms und nicht der Schaffung einheitlicher medienpädagogischer Konzepte innerhalb der EU. Dennoch können die im Internet beschriebenen "Action Lines" des MEDIA II-Programms als Erfolg dieser Recherchen gesehen werden, wobei anzunehmen ist, daß das Internet im Zusammenhang dieser Fragestellung immer mehr an Bedeutung gewinnen wird: Was an es an Literatur über dieses Thema nicht gibt, findet sich in immer zahlreicherer Menge im Internet.

Generell gilt aber Folgendes: Es wird zwar auf EU-Ebene eine Menge mit Medien und auch mit pädagogischen Programmen gearbeitet, und diese Programme sowie viele Einrichtungen werden von der EU sowohl organisatorisch als auch (z.T. in erheblichem Maße) finanziell gefördert, aber medienpädagogische Konzepte gibt es nur insofern, daß durch diese zahlreichen Programme Mediennutzung und damit auch Medienpädagogik gefördert werden soll. Konzepte im Sinne von Richtlinien gibt es bisher nur wenige, diese Arbeitsgruppe stieß bisher nur auf die "Action Lines" des MEDIA II-Programmes.

Natürlich ist auch zu bedenken, daß die EU eine riesige Verwaltungseinheit ist, in der die Mühlen mitunter sehr langsam mahlen. Recherchen wie diese sind daher nie abgeschlossen, zumal die EU-Austauschprogramme jedes Jahr verändert und erweitert werden. Will man Näheres über Medienpädagogik in der Praxis erfahren, liegt es auch nahe, zu untersuchen, wie die zahlreichen EU-Programme medienpädagogisch umgesetzt werden.

Medienpädagogische Konzepte scheinen innerhalb der EU momentan kein Thema allerhöchster Priorität zu sein. Es läßt sich natürlich argumentieren, daß es im Zuge der Vereinigung Europas in der Tat auch wichtigere Themen zu diskutieren gibt, aber dennoch bleibt es erstaunlich, daß durch die vielen Förderprogramme zwar viel Medienpädagogik von der EU betrieben und gefördert wird, aber offenbar ohne einheitliche medienpädagogische Konzepte. Viele dieser Programme, vor allem natürlich das MEDIA-Programm haben aber die konkrete Beschäftigung mit Medien als Ziel.

Sowohl in Literatur als auch in den EU- Broschüren ist viel allgemeines Material vor allem über die Austauschprogramme vorhanden, aber praktisch keine Informationen zum Thema "Medienpädagogik in der Institution EU".

Sollte man also dieses Thema den einzelnen EU-Ländern allein überlassen, in denen es ja mannigfaltige medienpädagogische Konzepte gibt? Insgesamt betrachtet wäre dies wohl wenig ratsam, weil sonst die unterschiedlichsten Konzepte weiter beibehalten würden. Dies hätte letztendlich in einem vereinten Europa nur Nachteile, weil damit keine Chancengleichheit gewährleistet sein würde.

Auch wenn es in bezug auf medienpädagogische Konzepte innerhalb der Europäischen Union als Organisation bisher nur sehr wenige konkrete Ergebnisse gibt, ist die Arbeit dieser Gruppe noch nicht als abgeschlossen zu betrachten. Im Moment bleibt weiter abzuwarten, ob sich noch etwas tut und einige beauftragte Personen und Institutionen doch noch Ergebnisse liefern. Eine nähere Beschäftigung mit den Details der EU-Austauschprogramme ist jetzt naheliegend, da diese Programme vielleicht doch noch medienpädagogische Konzepte ans tageslicht bringen könnten. Zudem könnte auch das Internet eventuell noch weitere Ergebnisse liefern, oder die bisherigen Resultate könnten sich durch Internet-Updates ändern.

In dieser Stelle lassen sich die bisherigen Ergebnisse am besten so zusammenfassen: Es gibt innerhalb der Europäischen Union eine Reihe von (medien-)pädagogischen Programmen, die von der EU organisiert, finanziell unterstützt und auch durchgeführt werden. Ebenso gibt es in den einzelnen EU-Ländern viele, sich mitunter sehr unterscheidende (vgl. die Berichte anderer Arbeitsgruppen dieses Projekts) medienpädagogische Konzepte. Im Bereich medienpädagogischer Konzepte, die sich auf die gesamte EU beziehent, ist dagegen bisher offenbar noch Nachholbedarf nötig.

5. Literatur:

Bazalgette, C./Bevort, E./Savino, J. (eds.): New Directions: Media Education Worldwide, Ashford 1992

European Association for Audivisual Media Education - EAAME (ed.): European Workshop "Media Education in a Multicultural Society", Brüssel 1996.

Masterman, L.: Medienpädagogik in Europa. Bonn 1991.

Schorb, B.: Medienerziehung in Europa - Media Education in Europe. München 1992.

Schorb, B.: Medienkompetenz in Europa - Die vielfältigen und unterschiedlichen Wege, dahin zu gelangen, in: Lauffer, J./Volkmer, I. (Hrsg.): Kommunikative Kompetenz in einer sich ändernden Medienwelt, Opladen 1995, S. 166ff.

Internetadressen und-Links:

Club Media:
http://www.club-media.fr/CP/ClubMedia

Unesco:
http://www.unesco.com

Kommisssion:
http://www.europa.eu.int

Europa-Parlament:
http://www.europarl.eu.int

Europarat:
http://www.agenor.consilium.eu.int

Europa-Union Deutschland:
http://europa-union.org/index.html

JEF Europa:
http://www.alli.fi/-jef

Europäisches Jugendparlament:
http://www.members.aol.com/eyp.de

Media Education worldwide:
http://cii2.cochran.com/mnet/eng

INA Programme Media:
http://www.ina.fr


Aktualisiert am 25. Februar 1999