Forschung

Forschungsschwerpunkt:  

Sequenzstratigraphische Interpretation glazilakustriner Ablagerungen 

Jutta Winsemann

Projektbeschreibung:

Glazilakustrine Sedimentationssysteme bilden ein wichtiges Archiv zur Rekonstruktion der Klimaentwicklung und Gletscherdynamik. Die genaue Analyse der Faziesarchitektur ermöglicht dabei eine Rekonstruktion der See-Entwicklung und der Eisrandoszillation.

Saale-zeitliche glazilakustrine Ablagerungen sind im niedersächsischen Bergland weit verbreitet und haben eine sehr viel größere Ausdehnung als bisher angenommen. Insbesondere grobklastische glazilakustrine Ablagerungen wie Eiskontakt-Deltas oder subaquatische Eiskontakt-Fächer sind in der Vergangenheit vielfach mißinterpretiert und meist als glazifluviatile Bildungen bzw. Kamesablagerungen gedeutet worden.

Untersuchungen im Bereich des Saale-zeitlichen Rintelner Eisstausees zeigen, daß die Bildung dieser Seen wahrscheinlich innerhalb von einigen 10er Jahren vor dem vorrückenden Inlandeis stattfand und in dieser kurzen Zeit beispielsweise der Rintelner Eisstausee von etwa 55 m ü. NN auf eine Höhe von mindestens 180 m ü. NN aufgestaut wurde. Diese schnelle Transgression war von kleineren Seespiegelabfällen begleitet, die nur wenige m betrugen und vermutlich auf saisonale Schwanken oder die Öffnung kurzlebiger Überläufe zurückzuführen sind. Ähnliche Seespiegelhöhen lassen sich für Eisstausee-Systeme rekonstruieren, die sich östlich des Rintelner Eisstausees bis zum Harz erstreckten

Grobklastische subaquatische Eiskontakt-Fächer und Eiskontakt-Deltas markieren genau die Positionen des ehemaligen Gletscherrandes und markieren damit Eisrandlagen. Die sequenzstratigraphische Analyse dieser subaquatischen Eiskontakt-Systeme ermöglicht eine neue und genauere Korrelation Saale-zeitlicher Ablagerungen in Süd-Niedersachsen.