Arbeitsgruppe „Landschaftsforschung“

INSTITUT FÜR GEOBOTANIK

Professor Dr. Hansjörg Küster
e-mail: kuester(at)geobotanik.uni-hannover.de

 

Blick auf das Wesergebirge und die Porta Wastfalica aus südöstlicher Richtung

 

Forschungsgegenstand: 2

Laufende Projekte: 2

Abgeschlossene Projekte 6

 

 9

 

 

 

Forschungsgegenstand:

 

Das Bild unserer heutigen Landschaft ist als Ergebnis eines seit Jahrmillionen andauernden Prozesses des Zusammenwirkens abiotischer und biotischer Faktoren zu sehen. Geologie, Klima, Relief, Boden, Wasserhaushalt, Vegetation, Tierwelt und menschliche Einflüsse sind die bestimmenden Pa­rameter. Der Zustand einer Landschaft ist dementsprechend nicht statisch, sondern einem stetigen Wandel unter­worfen.

Abhängig von der Intensität des anthropogenen Einflusses lassen sich mehrere Landschaftsbilder unterscheiden: die ausschließlich durch natürliche Faktoren bestimmte Naturlandschaft, eine nur wenig vom Menschen modifizierte naturnahe Landschaft sowie die anthropogen geprägte und in unterschiedlichem Ausmaß umgestaltete Kulturlandschaft.

In Mitteleuropa ist die Landschaft vor allem als eine vom Menschen im Laufe von Jahrtausenden durch die vielfältige Nutzung der natürlichen Ressourcen tiefgreifend beeinflusste Kulturlandschaft zu verstehen.

Folgende Forschungsfelder werden in diesem Zusammenhang aus dem Blickwinkel der Geobotanik bearbeitet:

·                       Geschichte der Landschaft

·                       Dynamik der Landschaft und Prozesse des Landschaftswandels

·                       Spezifische Formen der Land- und Waldnutzung

·                       Szenarien zur Landschaftsentwicklung

 

 

Laufende Projekte:

 

Erstellung eines Inventars für das Reinhold-Tüxen-Archiv
am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover

 

 

Abb. 1: Reinhold Tüxen (1899-1980)

 

Reinhold Tüxen  war der Begründer der Pflanzensoziologie in Deutschland, einer zentralen geobotanischen Arbeitsmethode zur klaren und griffigen Beschrei­bung von Vegetation und Landschaft, das heute nicht nur in Deutschland, son­dern auch von hier ausgehend in vielen Ländern der Erde ange­wandt wird. Damit wurden wis­senschaft­liche Grund­lagen für den modernen Natur- und Land­schafts­schutz gelegt.Der wissenschaftliche Nachlass Tüxens befin­det sich heute im Institut für Geobotanik der Uni­versität Hanno­ver. Eine Erfassung des in seinen Aus­maßen und in sei­ner Komplettheit ein­ma­li­gen Bestandes an pflan­zenso­ziologischen Auf­nahmen (schwer­punktmäßig aus Europa), Tabellen, Manuskripten, Briefen, Dia­positiven etc., die Rein­hold Tüxen hinterlassen hat, eröffnet zahlreiche neue Mög­lichkeiten vor allem der natur-, aber auch der gei­steswissenschaftlichen Grundlagenforschung.

 

Es wird deut­lich, dass Daten, die über unsere Umwelt erhoben wurden, auch eine historische Bedeutung ha­ben. Es lässt sich zeigen, wie sich die Flora und die Landschaft in unserer Umgebung in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Daraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten der angewandten Forschung. Die digitale Erfassung der Aufnahmen (s. Abb. 2) eröffnet u.a. die Möglichkeit, vergleichende Untersuchungen zur Entwicklung von Pflanzenbeständen und zu ihrer Biodiversität durchzuführen, indem die einige Jahrzehnte zurück­liegenden Erhebungen auf der Grundlage der genauestens dokumentierten schriftlichen Unterlagen Tüxens heute wiederholt werden. Über das Inventar können außerdem Grundlagen geschaffen wer­den für eine Beschäftigung mit der Ideengeschichte des Natur‑ und Landschaftsschutzes seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts bis zu Tüxens Tod 1980, also für Leitthemen der öffentlichen Diskussion im 20. Jahrhundert. Der Nachlass Tüxens wird (u.a. durch eine Verortung mit geographischen Koordinaten) so erschlos­sen, dass die in einer Datenbank erfassten Datenmen­gen unter relativ geringem Aufwand als Grundlage für die Lösung raumbezogener Fragestellungen genutzt werden können, beispielsweise mit Geographische Informations­systemen.

 

Abb. 2:  Originalaufnahme des Tüxen-Mitarbeiters A. Neumann von Wangeooge aus dem Jahr 1949

 

 

Abgeschlossene Projekte

 

Die Bewässerungswiesen Nordwestdeutschlands – Geschichte, Wandel und heutige Situation –

(Ansgar Hoppe 1998-2001)

Bewässerungswiesen stellen einen wichtigen Bestandteil traditioneller bäuerlicher Kulturlandschaften dar. Sie bilden eine besondere Wirtschaftsform, die mit einer tiefgreifenden Umgestaltung ganzer Landschaften einhergeht.

Abb.1: Bewässerte Wiese am Haustenbach bei Hövelhof
(Ldkr. Paderborn)

Seit dem 15. Jahrhundert hat die Wiesenbewässerung auch in verschiede­nen Regionen Nordwest­deutschlands weite Verbreitung gefunden. Ziel dieser Landnutzungsform, die in Nordwestdeutschland überwiegend nach den Methoden der Stau- und Rieselbewässerung durch­geführt wurde, war immer eine Ertragssteigerung bei der Heu­gewinnung und damit verbunden eine allgemeine Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft.

Die Bewässerungswiesen Nordwestdeutsch­lands unter­scheiden sich erheblich in ihren naturräumli­chen, historischen und kulturgeographischen Voraus­setzungen. Es wurde eine an den charakteristi­schen geographischen und anthro­po­genen Einfluss­fak­toren orientierte Synopse der Be­wässerungs­wiesen Nord­west­deutsch­lands erarbei­tet. Vor dem Hintergrund

der zu rekon­struieren­den Ent­ste­hungs­geschichte und der naturräumliche Differenzierung der Bewässerungs­wiesen spielten geobotanische Arbeits­weisen eine wichtige Rolle.

Die Vegetation der Bewäs­serungswie­sen wurde pflanzen­so­ziologisch cha­rakterisiert. Mit Hilfe von Transektun­tersuchungen konnten typi­sche Vege­tationszonierungen in Abhän­gig­keit des Reliefs nach­gewiesen werden. Um Aussagen über die Nutzungsge­schichte der Bewässerungswiesen ma­chen zu können, wurden auf aus­gewählten Flächen Diasporen­untersuchungen durchgeführt sowie mit den potentiell keimfähigen Diasporen im Boden das Regene­rations­potential für ehemals verbreitete Arten der Bewässerungswiesen geprüft.

Ergebnisse:

Es lassen sich in Nordwestdeutschland sechs Zentren der Wiesenbewässerung nach­weisen (Hoppe 2001, PDF). Der Schwerpunkt der meist genossenschaftlich organisierten Bewässerungs­wirt­schaft Nordwest­deutsch­lands liegt in den pleistozänen Sand­landschaften des nord­deutschen Tieflandes, die aufgrund ihrer geringen natürlichen Nährstoffbilanz der Bewäs­serung in der Zeit vor der Einführung des Mineraldün­gers besonders bedurften. Heute ist diese Technik auf wenige Gebiete in der ostmünsterländischen Senne beschränkt (s. Abb.), ein großer Teil der ehemaligen Bewässerungs­wiesen Nordwestdeutsch­lands wird nunmehr als Ackerland genutzt.

Bewässerungswiesen zeichnen sich durch eine regelmäßige Mahd sowie durch ein Bewässerungs­management aus, das durch geregelte Be- und Entwässerung den Wasserhaushalt entscheidend beeinflusst. Damit ist die Vegetation des bewässerten Grünlandes auf verschiedene Wiesengesell­schaften der pflanzensoziologischen Klasse der Molinio-Arrhenatheretea beschränkt. Durch die Schaf­fung von relativ großen Relief­unterschieden auf engstem Raum sowie die Be- und Entwässerung der Wiesen verän­dern sich die ökologischen Verhältnisse der entsprechenden Flächen. Es bildet sich ein Vegetations­mosaik aus, dass diese kleinräumig wechselnden Relief- und Feuchteverhält­nisse nach­zeichnet. Dieses bedingt eine höhere standörtliche und biotische Diversität bewässerter Wiesen.

Die Untersuchung des Diasporenreservoirs der Bewässerungswiesen zeigt sich ebenfalls durch eine hohe Diversität an keimfähigen Arten mit unterschiedlichen Feuchtigkeits­ansprüchen, die teilweise noch die vormalige Nutzung dieser Flächen widerspiegeln. Damit geben die jetzt nur noch als Diaspo­ren nachweisbaren Arten wertvolle Hinweise auf die ehemalige Nutzung und Artenzusammen­setzung der Wiesen. Der Nachweis zahl­reicher keimfähiger und teilweise auch standortstypischer bzw. durch die historische Nutzung aus der Phase der Wiesenbewässerung bedingter, heute zudem stark gefähr­deter Arten in der Diasporenbank unterstreicht deren Bedeutung für eine mögliche Reetablierung der Bewässerungswiesen.

                                                                                                                                                      

Öffnungszeiten des Sekretariats: Mo-Do 8-16, Fr 8-12

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Telefon: (+49) 0511/762-3632, Telefax: (+49) 0511/762-3633,

e-mail:  institut@geobotanik.uni-hannover.de
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